Strom aus Bio­mas­se vor dem BVerfG

Antrag eines "EEG-Strom­erzeu­gers" auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt

Strom aus Bio­mas­se vor dem BVerfG

Betrei­ber von Anla­gen zur Erzeu­gung von Strom aus Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en haben gegen den zustän­di­gen Netz­be­trei­ber einen gesetz­li­chen Anspruch auf Abnah­me und Ver­gü­tung des erzeug­ten Stroms. Die Höhe der Ver­gü­tung für Strom aus Bio­mas­se ist dabei nach Leis­tungs­klas­sen gestaf­felt, so dass klei­ne­re Anla­gen eine höhe­re Ver­gü­tung pro Kilo­watt­stun­de erhal­ten als grö­ße­re Anla­gen. Zum 1. Janu­ar 2009 wur­de das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz aus dem Jahr 2004 (EEG 2004) unter Bei­be­hal­tung die­ses För­der­sys­tems neu gefasst. Gemäß § 19 Abs. 1 EEG 2009 gel­ten meh­re­re Anla­gen für die Berech­nung der gesetz­lich garan­tier­ten Min­dest­ver­gü­tung als eine (Groß-)Anla­ge, wenn sie sich auf dem­sel­ben Grund­stück oder sonst in unmit­tel­ba­rer räum­li­cher Nähe befin­den, sie Strom aus gleich­ar­ti­gen Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en erzeu­gen, der in ihnen erzeug­te Strom in Abhän­gig­keit von der Leis­tung der Anla­ge ver­gü­tet wird und sie inner­halb von zwölf auf­ein­an­der­fol­gen­den Kalen­der­mo­na­ten in Betrieb gesetzt wor­den sind. In der Geset­zes­be­grün­dung wird aus­ge­führt, die­se Rege­lung beinhal­te ledig­lich eine Klar­stel­lung der bis­her gel­ten­den Rechts­la­ge.

Gegen die­se Rege­lung haben unter ande­rem die Betrei­be­rin eines Bio­en­er­gie­parks und die zur Errich­tung des Bio­en­er­gie­parks gegrün­de­te Pro­jekt­ge­sell­schaft Ver­fas­sungs­be­schwer­de erho­ben. Gleich­zei­tig haben sie bean­tragt, § 19 Abs. 1 EEG 2009 im Wege einer einst­wei­li­gen Anord­nung einst­wei­len außer Kraft zu set­zen.

Der Bio­en­er­gie­park besteht aus 40 Bio­gas­an­la­gen, die suk­zes­si­ve im Zeit­raum zwi­schen Novem­ber 2006 und Dezem­ber 2007 in Betrieb genom­men wur­den. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen machen gel­tend, auf­grund der ange­grif­fe­nen gesetz­li­chen Rege­lung gäl­ten die 40 Anla­gen des Bio­en­er­gie­parks ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge erst­mals als eine Groß­an­la­ge. Der Bio­en­er­gie­park kön­ne ange­sichts der hier­mit ver­bun­de­nen Ver­gü­tungs­ein­bu­ßen nicht mehr wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den. Die Anla­gen­be­trei­be­rin müs­se inner­halb kür­zes­ter Zeit Insol­venz anmel­den.

Mit einem ges­tern ver­kün­de­ten Beschluss hat der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung mit fünf gegen drei Stim­men abge­lehnt. Die schrift­li­chen Ent­schei­dungs­grün­de sind noch nicht ver­öf­fent­licht, sie müs­sen zunächst noch den Betei­lig­ten zuge­stellt wer­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Febru­ar 2009 – 1 BvR 3076/​08