Hotel­zim­mer – und die Sicher­heits­vor­schrif­ten im Rei­se­land

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Vor­aus­set­zun­gen prä­zi­siert, unter denen ein Gericht dem Vor­trag einer Par­tei zum Inhalt von aus­län­di­schen Sicher­heits­vor­schrif­ten für Hotel­zim­mer nach­ge­hen muss.

Hotel­zim­mer – und die Sicher­heits­vor­schrif­ten im Rei­se­land

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall buch­te der Urlau­ber bei der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin für ins­ge­samt sechs Per­so­nen eine ein­wö­chi­ge Pau­schal­rei­se nach Gran Cana­ria. Am Tag der Ankunft woll­te der damals sie­ben Jah­re alte Sohn der Lebens­ge­fähr­tin des Urlau­bers vom Hotel­zim­mer auf den Bal­kon lau­fen. Dabei prall­te er gegen die Bal­kon­tür, die noch ver­schlos­sen war. Die Schei­be zer­brach und das Kind erlitt Schnitt­ver­let­zun­gen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Han­no­ver hat die unter ande­rem auf Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses, Ersatz mate­ri­el­ler Schä­den, Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit und Schmer­zens­geld gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen 1, das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le die Beru­fung des Urlau­bers zurück­ge­wie­sen 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das OLG Cel­le zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird im wei­te­ren Pro­zess­ver­lauf klä­ren müs­sen, ob eine Bal­kon­tür aus nicht bruch­si­che­rem Glas den für die Hotel­an­la­ge maß­geb­li­chen ört­li­chen Bau­vor­schrif­ten ent­spricht.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat die­se Fra­ge als nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ange­se­hen, weil es die auf der Glas­tür ange­brach­ten Mar­kie­run­gen – eine klei­ne Kro­ne und einen dun­kel­blau­en Punkt – als aus­rei­chend betrach­tet hat, um einen Hotel­gast vor den von der Tür aus­ge­hen­den Gefah­ren zu war­nen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Beur­tei­lung nur für den Fall als zutref­fend ange­se­hen, dass die Tür den maß­geb­li­chen ört­li­chen Bau­vor­schrif­ten ent­sprach und damit den Sicher­heits­stan­dard bot, den ein Hotel­gast erwar­ten durf­te. Soll­te die Tür die­sem Stan­dard nicht ent­spro­chen haben, bestand hin­ge­gen eine beson­de­re Gefähr­dungs­la­ge, in der eine ein­fa­che Mar­kie­rung auf der Schei­be nicht aus­reich­te.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des OLG Cel­le sah der Bun­des­ge­richts­hof den Vor­trag des Urlau­bers zu einem Ver­stoß gegen Bau­vor­schrif­ten als hin­rei­chend kon­kret an. Zwar ist es nicht Auf­ga­be eines Zivil­ge­richts, die Ursa­chen eines Unfalls von Amts wegen auf­zu­klä­ren. Wenn aber ein Urlau­ber einen hin­rei­chend kon­kre­ten Sach­ver­halt vor­trägt, muss das Gericht den Inhalt der dafür maß­geb­li­chen in- und aus­län­di­schen Vor­schrif­ten in eige­ner Zustän­dig­keit ermit­teln.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat der Urlau­ber vor­ge­tra­gen, eine Glas­tür für einen Bal­kon müs­se nach den ein­schlä­gi­gen Sicher­heits­be­stim­mun­gen so beschaf­fen sein, dass sie einem Anprall eines sie­ben­jäh­ri­gen Kin­des nach kur­zem Anlauf stand­hal­te. Die­ser Sach­ver­halt ist hin­rei­chend kon­kret, um ihn einer recht­li­chen Bewer­tung zuzu­füh­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Juni 2019 – X ZR 166/​18

  1. LG Han­no­ver, Urteil vom 08.02.2018 – 8 O 49/​17[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 06.09.2018 – 11 U 42/​18[]