Die ver­spä­te­te Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

War ein Arbeit­neh­mer trotz Anwen­dung aller ihm nach Lage der Umstän­de zuzu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert, die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge inner­halb von drei Wochen zu erhe­ben, so ist nach §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG auf sei­nen Antrag die Kla­ge nach­träg­lich zuzu­las­sen. Nach §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 5 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 KSchG ist mit dem Antrag auf nach­träg­li­che Kla­ge­zu­las­sung die Kla­ge­er­he­bung zu ver­bin­den. Der Antrag kann gemäß §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG nach Ablauf von sechs Mona­ten, vom Ende der ver­säum­ten Frist an gerech­net, nicht mehr gestellt wer­den.

Die ver­spä­te­te Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Danach kommt eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge nicht in Betracht. Der Arbeit­neh­mer hat kei­nen Antrag auf nach­träg­li­che Zulas­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge gestellt. Selbst wenn sei­ne Erklä­rung im Schrift­satz vom 01.08.2012, ihm müs­se schon von Amts wegen Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gewährt wer­den, als ein sol­cher Antrag aus­zu­le­gen wäre, hät­te der Antrag zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr gestellt wer­den kön­nen. Die Frist nach §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG war bereits am 15.08.2010 abge­lau­fen. Die Frist des § 5 Abs. 2 Satz 2 KSchG ist eine abso­lu­te Frist, in die der Säu­mi­ge auch nach § 233 ZPO nicht wie­der ein­ge­setzt wer­den kann1.

Der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ver­bie­tet es nicht, die auf­lö­sen­de Bedin­gung als ein­ge­tre­ten anzu­se­hen. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Ver­trau­ens­schutz2 lie­gen nicht vor. Die Kla­ge­frist und die Fik­ti­on der §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 7 Halbs. 1 KSchG gal­ten zwar nach der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts3 nicht für Strei­tig­kei­ten über den Ein­tritt auf­lö­sen­der Bedin­gun­gen. Die­se Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Urteil vom 06.04.20114 und damit nach dem hier strei­ti­gen Ein­tritt der auf­lö­sen­den Bedin­gung geän­dert. Es kann dahin­ste­hen, ob über­haupt ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en in den Fort­be­stand der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­ste­hen konn­te. Jeden­falls hat der Arbeit­neh­mer nicht gel­tend gemacht, die Kla­ge­frist im Ver­trau­en auf die­se Recht­spre­chung ver­säumt zu haben. Davon kann auch des­halb nicht aus­ge­gan­gen wer­den, weil der Arbeit­neh­mer sich nicht nur auf den Nicht­ein­tritt der auf­lö­sen­den Bedin­gung, son­dern auch auf deren Unwirk­sam­keit beru­fen hat.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. August 2015 – 7 AZR 592/​13

  1. BAG 28.01.2010 – 2 AZR 985/​08, Rn. 24, BAGE 133, 149
  2. vgl. dazu BVerfG 15.01.2009 – 2 BvR 2044/​07, Rn. 85, BVerfGE 122, 248; 2.05.2012 – 2 BvL 5/​10, Rn. 81, BVerfGE 131, 20; 14.01.1987 – 1 BvR 1052/​79BVerfGE 74, 129, 154; BAG 23.03.2006 – 2 AZR 343/​05, Rn. 33, BAGE 117, 281; 18.01.2001 – 2 AZR 616/​99, zu II 3 d der Grün­de
  3. BAG 23.06.2004 – 7 AZR 440/​03, zu I 2 der Grün­de, BAGE 111, 148; 19.01.2005 – 7 AZR 113/​04, zu II 2 b bb der Grün­de; 18.10.2006 – 7 AZR 662/​05, Rn.20; 21.01.2009 – 7 AZR 843/​07, Rn. 12, 15
  4. BAG 06.04.2011 – 7 AZR 704/​09, BAGE 137, 292