Diskriminierung weiblicher Stellenbewerber im IT-Bereich

Soweit eine Stellenbewerberin sich darauf beruft, dass sowohl generell im IT-Bereich als auch im IT-Bereich der Arbeitgeberin überwiegend Männer tätig seien, vermag dies allein nicht die Vermutung iSv. § 22 AGG zu begründen, dass die Stellenbewerberin im konkreten Stellenbesetzungsverfahren wegen ihres Geschlechts benachteiligt wurde.

Diskriminierung weiblicher Stellenbewerber im IT-Bereich

Insoweit fehlt es an der Darlegung eines Kausalzusammenhangs zwischen der konkreten benachteiligenden Behandlung und dem in § 1 AGG genannten Grund „Geschlecht“.

Aus dem Urteil „Feryn“ des Gerichtshofs der Europäischen Union1 ergibt sich nichts anderes. Soweit darin ausgeführt wird, eine unmittelbare Diskriminierung bei der Einstellung im Sinne der Richtlinie 2000/43/EG setze nicht voraus, dass eine beschwerte Person, die behauptet, Opfer einer derartigen Diskriminierung geworden zu sein, identifizierbar ist2, kann die Stellenbewerberin daraus keine weitere Senkung des Maßes ihrer Darlegungs- und Beweislast ableiten. Insofern waren nämlich nicht die Mindestanforderungen des Art. 7 der Richtlinie 2000/43/EG betroffen, sondern weitergehende nationale Bestimmungen der Ausgangsverfahren, die im Hinblick auf die Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes günstigere Rechtsvorschriften – zB zur Verbandsklage, ggf. auch ohne konkret beschwerte Person – enthielten3.

Allein aus dem Umstand, dass die Arbeitgeberin im hier entschiedenen Fall nur (zwei) Männer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat, kann die Stellenbewerberin ebenso wenig etwas zu ihren Gunsten ableiten. Dies kann vielfältige Ursachen haben, sodass dieser Umstand – für sich betrachtet – eine Vermutung iSv. § 22 AGG nicht begründen kann.

Auch dass sich die Stellenbewerberin bereits früher erfolglos bei der Arbeitgeberin beworben hat, führt zu keiner anderen Bewertung. Insoweit fehlt es bereits an substantiiertem Vorbringen der Stellenbewerberin zu einem Zusammenhang mit dem hier streitgegenständlichen Bewerbungs- und Stellenbesetzungsverfahren.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15. Dezember 2016 – 8 AZR 418/15

  1. EuGH 10.07.2008 – C-54/07 – [Feryn] Slg. 2008, I-5187[]
  2. EuGH 10.07.2008 – C-54/07 – [Feryn] Rn. 25, aaO; vgl. auch EuGH 25.04.2013 – C-81/12 – [Asociatia ACCEPT] Rn. 36[]
  3. EuGH 10.07.2008 – C-54/07 – [Feryn] Rn. 27, aaO; vgl. auch EuGH 25.04.2013 – C-81/12 – [Asociatia ACCEPT] Rn. 37 f.[]