Der Bun­des­fi­nanz­hof – und die Anhö­rungs­rü­ge

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör kann nur dann i.S. von § 133a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 FGO in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt sein, wenn der Bun­des­fi­nanz­hof bei sei­ner Beschwer­de­ent­schei­dung ein Vor­brin­gen im Zusam­men­hang mit der Dar­le­gung der Grün­de für die Zulas­sung der Revi­si­on i.S. von § 115 Abs. 2 Nrn. 1 bis 3 FGO nicht zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat und die Revi­si­on bei Berück­sich­ti­gung die­ses Vor­brin­gens hät­te zuge­las­sen wer­den müs­sen 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof – und die Anhö­rungs­rü­ge

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass das Gericht nach Art. 103 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes nicht ver­pflich­tet ist, sich mit jedem Betei­lig­ten­vor­brin­gen in sei­ner Ent­schei­dung aus­drück­lich zu befas­sen.

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ist erst dann ver­letzt, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les deut­lich ergibt, dass das Gericht ein tat­säch­li­ches ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Vor­brin­gen ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei sei­ner Ent­schei­dung ersicht­lich nicht in Erwä­gung gezo­gen hat 2.

Soweit der Klä­ger sei­ne im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren geäu­ßer­te Rechts­an­sicht im Rah­men der Anhö­rungs­rü­ge wie­der­holt, macht er damit kei­nen Gehörs­ver­stoß gel­tend. Der Rüge­füh­rer legt inso­weit kei­ne Ver­let­zung sei­nes Anspruchs auf recht­li­ches Gehör dar, son­dern wen­det sich gegen die mate­ri­el­le Rich­tig­keit des BFH, Beschlus­ses. Die Anhö­rungs­rü­ge dient indes­sen nicht dazu, die Rich­tig­keit der zugrun­de lie­gen­den Ent­schei­dung zu über­prü­fen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Mai 2016 – III S 10/​16

  1. BFH, Beschluss vom 07.02.2011 – XI S 29/​10, BFH/​NV 2011, 824[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 12.04.2011 – III S 49/​10, BFH/​NV 2011, 1177, m.w.N.[]