Die Erle­di­gungs­ge­bühr des bei­geord­ne­ten Anwalts

An der für die Erle­di­gungs­ge­bühr vor­aus­ge­setz­ten beson­de­ren auf die Erle­di­gung gerich­te­ten Mit­wir­kung des Anwalts fehlt es, wenn die Eini­gung über die Abhil­fe auf der Nach­rei­chung von bereits seit dem Ein­spruchs­ver­fah­ren ange­for­der­ten Unter­la­gen beruht (hier Bele­ge über Kin­der­un­ter­su­chun­gen und Rei­sen in Kin­der­geld­sa­che). Die Kos­ten­ei­ni­gung beruht nicht auf einem beson­de­ren Ent­ge­gen­kom­men der Klä­ger­sei­te, wenn man­gels recht­zei­ti­gen Vor­brin­gens für sie kein Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch in Betracht kam.

Die Erle­di­gungs­ge­bühr des bei­geord­ne­ten Anwalts

Dabei kommt es hier nicht auf die strei­ti­ge Fra­ge an, ob im Finanz­pro­zess eine Eini­gungs­ge­bühr gemäß RVG-VV Nr. 1001 oder nur eine Erle­di­gungs­ge­bühr gemäß RVG-VV Nr. 1002 i. V. m. Nr. 1003 in Betracht kommt 1.

Eben­so wenig wie eine Eini­gungs­ge­bühr ist eine Erle­di­gungs­ge­bühr nicht ent­stan­den. Eine sol­che Gebühr setzt nach der gesetz­li­chen Rege­lung – wie schon bei der Vor­gän­ger­vor­schrift § 24 BRAGO – neben dem Eini­gungs- bzw. Erle­di­gungs­er­folg die dar­auf gerich­te­te anwalt­li­che Mit­wir­kung vor­aus. Dabei muss es sich in Abgren­zung zur Ver­fah­rens­ge­bühr Nr. 3200 RVG-VV nach stän­di­ger Recht­spre­chung und all­ge­mei­ner Ansicht um eine über das Betrei­ben des Ver­fah­rens hin­aus­ge­hen­de beson­de­re Mit­wir­kung han­deln, die nicht nur all­ge­mein auf Ver­fah­rens­för­de­rung gerich­tet ist, son­dern ein beson­de­res Bemü­hen um eine unstrei­ti­ge oder außer­ge­richt­li­che Erle­di­gung umfasst 2.

Zwar wäre eine beson­de­re auf unstrei­ti­ge Erle­di­gung gerich­te­te und kau­sa­le Mit­wir­kung denk­bar bei anwalt­li­chem Vor­schlag oder anwalt­li­cher Aus­hand­lung einer tat­säch­li­chen Ver­stän­di­gung über schwie­ri­ge Sach­ver­halts­fra­gen oder bei Aus­hand­lung schwie­ri­ger Zah­lungs- oder Kos­ten­re­ge­lun­gen 3.

Jedoch genü­gen dafür nicht die Erhe­bung und Begrün­dung der Kla­ge 4 oder eine ergänz­te Begrün­dung – wie hier in einem über­schau­ba­ren Kin­der­geld­fall – bei anschlie­ßen­der Abhil­feei­n­i­gung und bei­der­sei­ti­ger Erle­di­gungs­er­klä­rung 5.

Über das all­ge­mei­ne Betrei­ben des Ver­fah­rens hin­aus geht auch nicht die – trotz Amts­er­mitt­lungs­grund­satz – noch zur pro­zes­sua­len Mit­wir­kungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 Satz 2 ff. FGO) gehö­ren­de Benen­nung von Beweis­mit­teln oder Ein­rei­chung von Beweis­un­ter­la­gen, ins­be­son­de­re – wie hier von Bele­gen über Kin­der­un­ter­su­chun­gen und ‑Rei­sen – nach wie­der­hol­ten Auf­for­de­run­gen, wenn auf­grund die­ser Beweis­la­ge eine Abhil­feei­n­i­gung mög­lich wird 6.

Soweit der Erin­ne­rungs­füh­rer dage­gen mit der Erin­ne­rung ein beson­de­res Ent­ge­gen­kom­men bei der Kos­ten­re­ge­lung gel­tend macht, konn­te sei­ne Bei­ord­nung nach dem ergänz­ten Vor­trag und der Ein­rei­chung von Bele­gen nur gericht­lich ange­ord­net wer­den – wie gesche­hen – und hät­te ein Anspruch auf Erstat­tung außer­ge­richt­li­cher Kos­ten wegen § 137 FGO gar nicht ent­ste­hen kön­nen, weil die für den Kin­des­auf­ent­halt nahe­lie­gen­den Tat­sa­chen ‑wie z. B. Wohn­si­tua­ti­on, Rei­se­da­ten, Kin­der-Unter­su­chun­gen – frü­her hät­ten gel­tend gemacht und bewie­sen wer­den kön­nen und sol­len, näm­lich im Ein­spruchs­ver­fah­ren nach den Auf­for­de­run­gen der Fami­li­en­kas­se.

Danach kommt es nicht mehr auf die Fra­gen an, ob bzw. inwie­weit die Ver­stän­di­gung sich auf "Tat­sa­chen" bezog (im Sin­ne der BFH-Recht­spre­chung zur "tat­säch­li­chen Ver­stän­di­gung") und war­um die Eini­gung über die Abhil­fe nicht aus­drück­lich eine "Zusa­ge" ent­hielt 7; vom 14.04.2011 – 3 KO 201/​10, EFG 2011, 1546, DSt­RE 2012, 383; vom 14.02.2011 – 3 KO 197/​11, NVwZ-RR 2011, 463, EFG 2011, 1468, DSt­RE 2011, 1159 jeweils m. w. N.)).

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2013 – 3 KO 172/​13

  1. vgl. FG Ham­burg, Beschluss vom 14.02.2011 – 3 KO 197/​10, EFG 2011, 463, NVwZ-RR 2011, 463[]
  2. vgl. FG Ham­burg, Beschluss vom 19.04.2011 – 3 Ko 24/​11, BeckRS, m. w. N.; FG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Beschluss vom 01.06.2010 – 2 Ko 4/​10, EFG 2010, 1447; FG Köln, Beschluss vom 08.12.2008 – 10 Ko 1355/​08, EFG 2009, 515; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches FG, Beschluss vom 20.12.2006 – 2 KO 189/​06, EFG 2007, 383; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. A., VV 1002 Rd. 38; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 44. A., VV 1002 Rd. 9, 10[]
  3. vgl. FG Ham­burg, Beschluss vom 14.02.2011 – 3 KO 197/​10, DSt­RE 2011, 1159, EFG 2011, 1468 zu II 1 "Raten­zah­lung"; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. A., VV 1002 Rd. 46 "Aus­han­deln", "redu­ziert", Rd. 50 "Teil­auf­he­bung", "Her­ab­set­zung"; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 42. A., VV 1002 Rd. 12, 15 "tat­säch­li­che Ver­stän­di­gung", Rd. 13 "Eini­gung"; u. U. Rd. 14 "Erör­te­rungs­ter­min", Rd. 15 "Ter­mins­be­spre­chung"; zur Kos­ten­re­ge­lung vgl. fer­ner bei außer­ge­richt­li­cher Bespre­chungs­ge­bühr FG Ham­burg, Beschluss vom 19.04.2013 3 KO 13/​13[]
  4. vgl. FG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 27.08.2007 – 8 KO 1/​07, EFG 2007, 1972[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 10.02.2007 – III B 140/​06, BFH/​NV 2007, 1109; FG Ham­burg, Beschluss vom 23.11.2005 – V 213/​02, EFG 2006, 370, DSt­RE 2006, 831; FG Bran­den­burg, Beschluss vom 14.08.2006 – 1 KO 817/​06, EFG 2006, 1786; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 42. A., Rd. 44 Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 41. A., VV 1002, Rd. 13 ""Beschwer­de", "Ein­len­ken", Rd. 15 "Schrift­satz" m. w. N.[]
  6. vgl. FG Ham­burg, Beschluss vom 19.04.2011 – 3 KO 24/​11, BeckRS; SG Stutt­gart, Beschluss vom 08.04.2011 – S 24 SF 574/​10 E; Bay.LSG, Beschluss vom 21.10.2010 + L 19 R 97/​06; BSG, Beschluss vom 05.05.2009 – B 13 R 137/​08 R, Jur­Bü­ro 2009, 481; Beschluss vom 02.10.2008 – B 9/​9a SB 3/​07 R; FG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 25.08.2006 – 3 KO 1/​02, EFG 2007, 221; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 23.04.1990 – 6 S 2474/​89, Jur­Bü­ro 1990, 1450; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. A., VV 1002 Rd. 44 "Vor­la­ge"; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 42. A., VV 1002 Rd. 13 "Ein­rei­chung", inso­weit auch Rd. 15 "Urkun­den­vor­le­gung"; fer­ner FG Köln, Beschluss vom 13.08.2008 – 10 Ko 3867/​07, EFG 2008, 1235[]
  7. vgl. z. B. FG Ham­burg, Beschlüs­se vom 19.04.2013 – 3 KO 13/​13; vom 11.07.2012 – 3 KO 49/​12, EFG 2012, 2157; vom 07.10.2011 – 3 K 122/​10, DSt­RE 2012, 759[]