Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se – vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Das Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se muss auch noch im Zeit­punkt der Ent­schei­dung durch die Revi­si­ons­in­stanz vor­lie­gen, was vom Bun­des­fi­nanz­hof von Amts wegen zu prü­fen ist. Aus­nahms­wei­se kann die Prü­fung des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses unter­blei­ben, wenn fest­steht, dass der Fest­stel­lungs­an­trag aus sach­li­chen Grün­den unbe­grün­det ist.

Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se – vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Zwar war in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­ede­nen Streit­fall die Frist des § 42b Abs. 3 Satz 1 EStG, inner­halb der sich die streit­ge­gen­ständ­li­che Ein­tra­gung eines Frei­be­trags auf der Lohn­steu­er­kar­te 2007 beim Abzug der Lohn­steu­er durch den Arbeit­ge­ber aus­wir­ken kann, Ende März 2008 abge­lau­fen. Für das Begeh­ren, auf die­ser Lohn­steu­er­kar­te einen Frei­be­trag ein­zu­tra­gen, ist des­halb das Rechts­schutz­be­dürf­nis ent­fal­len 1.

In einem sol­chen Fall kann aber, wie im Streit­fall gesche­hen, beim Finanz­ge­richt gemäß § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge mit dem Begeh­ren erho­ben wer­den, fest­zu­stel­len, dass der ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt (hier: der Bescheid über die Ableh­nung des Ein­trags eines Frei­be­trags auf der Lohn­steu­er­kar­te) rechts­wid­rig gewe­sen ist. Das hier­für erfor­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se wird von der Recht­spre­chung u.a. bejaht, wenn eine hin­rei­chend kon­kre­te Wie­der­ho­lungs­ge­fahr besteht 2.

Da es sich bei dem berech­tig­ten Inter­es­se für eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge i.S. des § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO um eine Sachur­teils­vor­aus­set­zung han­delt, ist das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se grund­sätz­lich vom BFH ohne Bin­dung an die Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt von Amts wegen zu prü­fen 3. Die­ses berech­tig­te Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des erle­dig­ten Ver­wal­tungs­akts muss dabei am Schluss der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung jeder Instanz und damit auch noch im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung in der Revi­si­ons­in­stanz vor­lie­gen 4. Ein zunächst vor­han­de­nes Fest­stel­lungs­in­ter­es­se kann dabei auch erst im Revi­si­ons­ver­fah­ren weg­fal­len 5.

Die Prü­fung des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses ist jedoch aus­nahms­wei­se ent­behr­lich, wenn fest­steht, dass der Fest­stel­lungs­an­trag aus sach­li­chen Grün­den unbe­grün­det ist 6. Dies ist hier aus den nach­fol­gend aus­ge­führ­ten Grün­den der Fall.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Novem­ber 2016 – VI R 55/​08

  1. s. BFH, Beschluss vom 02.11.2000 – X R 156/​97, BFH/​NV 2001, 476; BFH, Urteil vom 22.08.2012 – X R 36/​09, BFHE 239, 203, BSt­Bl II 2014, 109[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 19.10.2001 – VI R 131/​00, BFHE 197, 98, BSt­Bl II 2002, 300[]
  3. vgl. Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 118 FGO Rz 266 und § 100 FGO Rz 182; BFH, Urteil vom 10.02.2010 – XI R 3/​09, BFH/​NV 2010, 1450[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 16.05.2013 – 8 C 38.12, Ver­wal­tungs­rund­schau 2014, 31; BVerwG, Beschluss vom 30.04.1999 1 B 36.99[]
  5. BFH, Urteil vom 14.01.1986 – VII R 137/​82, BFH/​NV 1986, 426; Stein­hauff in HHSp, § 41 FGO Rz 245[]
  6. BVerwG, Urteil vom 26.05.1976 – VIII C 69.73, juris; Eyermann/​Schmidt, Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung, 14. Aufl., § 113 Rz 85[]