Kla­ge­er­he­bung per E‑Mail

Die wirk­sa­me Erhe­bung einer Kla­ge per E‑Mail bei einem Finanz­ge­richt (hier: Finanz­ge­richt Ham­burg) erfor­dert die Bei­fü­gung einer qua­li­fi­zier­ten digi­ta­len Signa­tur, wenn das betref­fen­de Bun­des­land die­se Signa­tur in einer Ver­ord­nung vor­ge­schrie­ben hat.

Kla­ge­er­he­bung per E‑Mail

Seit dem Jahr 2005 sieht die Finanz­ge­richts­ord­nung vor, dass Kla­gen bei Finanz­ge­rich­ten elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den kön­nen. Es bleibt den Bun­des­län­dern über­las­sen, Art und Wei­se der elek­tro­ni­schen Ein­rei­chung von Doku­men­ten durch eige­ne Rechts­ver­ord­nun­gen zu regeln. Für Kla­ge­schrif­ten müs­sen die Ver­ord­nun­gen aller­dings die Bei­fü­gung einer qua­li­fi­zier­ten digi­ta­len Signa­tur nach § 2 Abs. 3 des Signa­tur­ge­set­zes vor­se­hen. Geht eine Kla­ge ohne die­se Signa­tur ein, ist sie unwirk­sam und wird einer schrift­lich, aber ohne Unter­schrift erho­be­nen Kla­ge gleich­ge­stellt.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger sei­ne Kla­ge kurz vor Ablauf der Kla­ge­frist mit ein­fa­cher E‑Mail beim Finaz­ge­richt Ham­burg ein­ge­reicht. Die ein­schlä­gi­ge ham­bur­gi­sche Rechts­ver­ord­nung sieht die Bei­fü­gung einer qua­li­fi­zier­ten digi­ta­len Signa­tur vor, "sofern für Ein­rei­chun­gen die elek­tro­ni­sche Form vor­ge­schrie­ben ist". Das Finanz­ge­richt urteil­te, es sei zwar kei­ne elek­tro­ni­sche Ein­rei­chung von Kla­gen vor­ge­schrie­ben. Die For­mu­lie­rung in der Ver­ord­nung sei aber ver­un­glückt und erkenn­bar dahin zu ver­ste­hen, dass sie die wahl­wei­se zuläs­si­ge elek­tro­ni­sche Kla­ge­er­he­bung betref­fe. Des­halb behan­del­te das Finanz­ge­richt die Kla­ge als unzu­läs­sig. Der Bun­des­fi­nanz­hof, der die lan­des­recht­li­che Rege­lung nicht selbst aus­le­gen darf, son­dern nur die Ver­ein­bar­keit der Aus­le­gung durch das Finanz­ge­richt mit Bun­des­recht zu prü­fen hat, hat­te unter die­sem Aspekt kei­ne Beden­ken gegen die Hand­ha­bung des Finanz­ge­richts.

Die Rege­lung des ham­bur­gi­schen Rechts, dass elek­tro­ni­sche Doku­men­te mit einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach § 2 Nr. 3 SigG zu ver­se­hen sind, "sofern für Ein­rei­chun­gen die elek­tro­ni­sche Form vor­ge­schrie­ben ist", dahin aus­zu­le­gen, dass eine form­wirk­sa­me Kla­ge­er­he­bung per E‑Mail die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur erfor­dert, ver­letzt Bun­des­recht nicht.

Ist für den Rechts­ver­kehr per E‑Mail die die Schrift­form erset­zen­de qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur vor­ge­schrie­ben, so reicht es bei deren Feh­len nicht aus, dass sich aus der E‑Mail oder beglei­ten­den Umstän­den die Urhe­ber­schaft und der Wil­le, das Schrei­ben in den Ver­kehr zu brin­gen, hin­rei­chend sicher ergibt. Die Recht­spre­chung des Gemein­sa­men Senats der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des zum Com­pu­ter­fax ist auf sol­che Fäl­le nicht ent­spre­chend anzu­wen­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Juli 2011 – VII R 30/​10