Bestechung im Rechts­an­walts­ver­sor­gungs­werk

Auch ein stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses eines Rechts­an­walts­ver­sor­gungs­werks ist ein den Bestechungs­straf­tat­be­stän­den unter­lie­gen­der Amts­trä­ger, wie jetzt der Bun­des­ge­richts­hofs in einem Fall aus Ham­burg ent­schie­den hat.

Bestechung im Rechts­an­walts­ver­sor­gungs­werk

Das Land­ge­richt Ham­burg hat den Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter Dr. L., der als Rechts­bei­stand auch Mit­glied der Han­sea­ti­schen Rechts­an­walts­kam­mer war, wegen Bestech­lich­keit in Tat­ein­heit mit Untreue zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren und sechs Mona­ten ver­ur­teilt. Fer­ner hat es sei­ne Ehe­frau wegen Bei­hil­fe hier­zu und den Bezirks­di­rek­tor eines Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens D. wegen Bestechung in Tat­ein­heit mit Bei­hil­fe zur Untreue jeweils zu Bewäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt.

Dr. L. war stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses des ham­bur­gi­schen Rechts­an­walts­ver­sor­gungs­werks. Er nutz­te die­se Funk­ti­on dazu aus, Tei­le des Ver­mö­gens des Ver­sor­gungs­werks in Form von Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen bei dem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men anzu­le­gen. Im Gegen­zug erhielt er auf Ver­an­las­sung des Bezirks­di­rek­tors D. ver­deck­te Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen in Höhe von fast 2 Mio. €, die auf das Kon­to einer von der in den Tat­plan ein­ge­weih­ten Ehe­frau beherrsch­ten Gesell­schaft über­wie­sen wur­den.

Auf die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten wur­den die Schuld­sprü­che gegen Dr. L. und D. bestä­tigt. Dabei hat der 5. (Leip­zi­ger) Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs zunächst die der Ver­ur­tei­lung zugrun­de geleg­te grund­sätz­lich klä­rungs­be­dürf­ti­ge Fra­ge bejaht, ob Dr. L. als Ver­ant­wort­li­cher des Rechts­an­walts­ver­sor­gungs­werks Amts­trä­ger im straf­recht­li­chen Sin­ne war.

Die gegen Dr. L. ver­häng­te Stra­fe muss­te trotz­dem auf­ge­ho­ben wer­den, weil die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts zur Höhe des Untreue­scha­dens und damit glei­cher­ma­ßen zum Aus­maß der Pflicht­wid­rig­keit der Dienst­hand­lung wider­sprüch­lich waren. Die gegen die Ehe­frau ver­häng­te Stra­fe hat­te eben­falls kei­nen Bestand. Die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zum Vor­satz beleg­ten ledig­lich die Bei­hil­fe zur Untreue. Die Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten D. hat der Bun­des­ge­richts­hof ins­ge­samt bestä­tigt.

Das Land­ge­richt Ham­burg muss des­halb nun­mehr über die Höhe der Stra­fen gegen Dr. L. und sei­ne Ehe­frau neu befin­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 9. Juli 2009 – 5 StR 600/​07 und 5 StR 263/​08

UPDATE:

Die gegen die­se Ver­ur­tei­lun­gen erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den wur­den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. März 2010 – 2 BvR 2092/​09 und 2 BvR 2523/​09