Min­dest­scha­den bei uner­laub­ter Kon­kur­renz­tä­tig­keit

Zur Schät­zung der Höhe des einem Ver­si­che­rungs­mak­ler – infol­ge uner­laub­ter Kon­kur­renz­tä­tig­keit des für ihn täti­gen Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters – ent­gan­ge­nen Gewinns ("Min­dest­scha­den") hat­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Gele­gen­heit Stel­lung zu neh­men.

Min­dest­scha­den bei uner­laub­ter Kon­kur­renz­tä­tig­keit

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechst­streit hat­te ein Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter wäh­rend der Dau­er sei­nes Ver­trags­ver­hält­nis­ses mit einem Ver­si­che­rungs­mak­ler unter des­sen Umge­hung und unter Aus­nut­zung der ihm über die­sen bekannt gewor­de­nen Kun­den­adres­sen Ver­si­che­run­gen für ande­re Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten ver­mit­telt. In einem sol­chen Ver­hal­ten liegt, wie bereits das erst­in­stanz­lich mit dem Fall befass­te Land­ge­richt Gie­ßen zutref­fend aus­ge­führt hat, ein Ver­stoß sowohl gegen das ver­trag­lich ver­ein­bar­te als auch gegen das gesetz­li­che Wett­be­werbs­ver­bot (§ 86 Abs. 1 Halbs. 2 HGB). Der – hier zu unter­stel­len­de – Ver­stoß des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters gegen das Wett­be­werbs­ver­bot begrün­det einen Anspruch des Ver­si­che­rungs­mak­lers auf Scha­dens­er­satz wegen posi­ti­ver Ver­trags­ver­let­zung, der auf Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns gerich­tet ist 1.

Eine Scha­dens­be­rech­nung, in wel­cher der dem Geschäfts­herrn ent­gan­ge­ne Gewinn bezif­fert ist, bie­tet dabei, so der BGH, eine aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Schät­zung jeden­falls eines Min­dest­scha­dens (§ 287 ZPO).

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erleich­tert § 287 ZPO dem Geschä­dig­ten nicht nur die Beweis­füh­rung, son­dern auch die Dar­le­gungs­last. Steht, wie hier revi­si­ons­recht­lich zugrun­de zu legen ist, der gel­tend gemach­te Anspruch auf Scha­dens­er­satz dem Grun­de nach fest und bedarf es ledig­lich der Aus­fül­lung zur Höhe, darf die Kla­ge grund­sätz­lich nicht voll­stän­dig abge­wie­sen wer­den, son­dern der Tatrich­ter muss im Rah­men des Mög­li­chen den Scha­den nach § 287 ZPO schät­zen. Zwar ist es Sache des Anspruch­stel­lers, die­je­ni­gen Umstän­de vor­zu­tra­gen und gege­be­nen­falls zu bewei-sen, die sei­ne Vor­stel­lun­gen zur Scha­dens­hö­he recht­fer­ti­gen sol­len. Ent­hält der dies­be­züg­li­che Vor­trag Lücken oder Unklar­hei­ten, so ist es in der Regel jedoch nicht gerecht­fer­tigt, dem jeden­falls in irgend­ei­ner Höhe Geschä­dig­ten jeden Ersatz zu ver­sa­gen. Der Tatrich­ter muss viel­mehr nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen beur­tei­len, ob nach § 287 ZPO nicht wenigs­tens die Schät­zung eines Min­dest­scha­dens mög­lich ist. Eine Schät­zung darf erst dann gänz­lich unter­las­sen wer­den, wenn sie man­gels jeg­li­cher kon­kre­ter Anhalts­punk­te völ­lig in der Luft hin­ge und daher will­kür­lich wäre 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Juni 2009 – VIII ZR 332/​07

  1. vgl. BGH, Urteil vom 3. April 1996 – VIII ZR 3/​95, NJW 1996, 2097, unter A I 2 b[]
  2. BGH, Urteil vom 23. Okto­ber 1991 – XII ZR 144/​90, WM 1992, 36, unter 3 a m.w.N.[]