Lebens­ver­si­che­rung im Poli­cen­mo­dell – und der ver­wirk­te Wider­spruch

Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer ist es nach Treu und Glau­ben wegen wider­sprüch­li­cher Rechts­aus­übung ver­wehrt, sich nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­tra­ges auf des­sen angeb­li­che Unwirk­sam­keit zu beru­fen und dar­aus Berei­che­rungs­an­sprü­che her­zu­lei­ten.

Lebens­ver­si­che­rung im Poli­cen­mo­dell – und der ver­wirk­te Wider­spruch

Ob nach dem Poli­cen­mo­dell geschlos­se­ne Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge wegen Gemein­schafts­rechts­wid­rig­keit des § 5a VVG a.F. Wirk­sam­keits­zwei­feln unter­lie­gen 1, kann in die­sem Fall dahin­ste­hen.

Die Treu­wid­rig­keit liegt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs dar­in, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer nach ord­nungs­ge­mä­ßer Beleh­rung über die Mög­lich­keit, den Ver­trag ohne Nach­tei­le nicht zustan­de kom­men zu las­sen, die­sen jah­re­lang (hier: 6 1/​2 Jah­re) unter regel­mä­ßi­ger Prä­mi­en­zah­lung durch­führ­te und erst dann von dem Ver­si­che­rer, der auf den Bestand des Ver­trags ver­trau­en durf­te, unter Beru­fung auf die behaup­te­te Unwirk­sam­keit des Ver­tra­ges Rück­zah­lung aller Prä­mi­en ver­lang­te 2.

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­hielt sich damit nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs objek­tiv wider­sprüch­lich: Die ver­trag­lich ein­ge­räum­te und bekannt gemach­te Wider­spruchs­frist blieb bei Ver­trags­schluss unge­nutzt. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer zahl­te bis zur Kün­di­gung über sechs­ein­halb Jah­re die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en und ließ noch­mals fast ein Jahr bis zur Erklä­rung des Wider­spruchs ver­ge­hen.

Die jah­re­lan­gen Prä­mi­en­zah­lun­gen des bereits bei Ver­trags­schluss über die Mög­lich­keit, den Ver­trag nicht zustan­de kom­men zu las­sen, belehr­ten Ver­si­che­rungs­neh­mers hat bei dem Ver­si­che­rer nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in den Bestand des Ver­tra­ges begrün­det, was für den Ver­si­che­rungs­neh­mer auch erkenn­bar war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juni 2015 – IV ZR 132/​13

  1. vgl. dazu BGH, Urteil vom 16.07.2014 – IV ZR 73/​13, BGHZ 202, 102 Rn. 16 ff.; BVerfG, Beschluss vom 02.02.2015 – 2 BvR 2437/​14, WM 2015, 514 Rn. 30 ff.[]
  2. vgl. im Ein­zel­nen zu den Maß­stä­ben BGH, Urteil vom 16.07.2014 aaO Rn. 3242; BVerfG, Beschluss vom 02.02.2015 aaO Rn. 42 ff.[]