Rechts­schutz­ver­si­che­rung – Leis­tungs­aus­schluss für Betei­li­gun­gen

Der Leis­tungs­aus­schluss in All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für die Rechts­schutz­ver­si­che­rung "für die Wahr­neh­mung recht­li­cher Inter­es­sen … in ursäch­li­chem Zusam­men­hang mit dem Ankauf, der Ver­äu­ße­rung, der Ver­wal­tung von Betei­li­gun­gen" ist wirk­sam.

Rechts­schutz­ver­si­che­rung – Leis­tungs­aus­schluss für Betei­li­gun­gen

Die Klau­sel, soweit sie Deckungs­schutz für die Wahr­neh­mung recht­li­cher Inter­es­sen in ursäch­li­chem Zusam­men­hang mit dem Ankauf, der Ver­äu­ße­rung oder der Ver­wal­tung von Betei­li­gun­gen aus­schließt, ist nicht intrans­pa­rent im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB.

All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind so aus­zu­le­gen, wie ein durch­schnitt­li­cher, um Ver­ständ­nis bemüh­ter Ver­si­che­rungs­neh­mer sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und unter Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ver­ste­hen kann. Dabei ist im Regel­fall auf die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten eines Ver­si­che­rungs­neh­mers ohne ver­si­che­rungs­recht­li­che Spe­zi­al­kennt­nis­se und auch auf sei­ne Inter­es­sen abzu­stel­len 1. Liegt – wie hier – ein Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag und damit eine Ver­si­che­rung zuguns­ten Drit­ter vor, so kommt es dane­ben auch auf die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten durch­schnitt­li­cher Ver­si­cher­ter und ihre Inter­es­sen an 2.

Das Ver­si­cher­ten­in­ter­es­se geht bei Risi­ko­aus­schluss­klau­seln in der Regel dahin, dass der Ver­si­che­rungs­schutz nicht wei­ter ver­kürzt wird, als der erkenn­ba­re Zweck einer Klau­sel dies gebie­tet. Der durch­schnitt­li­che Ver­si­cher­te braucht nicht mit Lücken im Ver­si­che­rungs­schutz zu rech­nen, ohne dass die Klau­sel ihm dies hin­rei­chend ver­deut­licht. Des­halb sind Risi­ko­aus­schluss­klau­seln nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eng und nicht wei­ter aus­zu­le­gen, als es ihr Sinn unter Beach­tung ihres wirt­schaft­li­chen Zwecks und der gewähl­ten Aus­drucks­wei­se erfor­dert 3.

Die nach die­sen Maß­stä­ben gebo­te­ne enge Aus­le­gung der Klau­sel ergibt, dass der durch­schnitt­li­che Ver­si­cher­te erkennt, dass der Ver­si­che­rer mit § 3 (2) Buchst. f)) ARB/​G 2007 sein Leis­tungs­ver­spre­chen zum einen für Geschäf­te des Ver­si­cher­ten zurück­neh­men will, die auf hoch­spe­ku­la­ti­ven Gewinn­erwar­tun­gen beru­hen (Spiel- oder Wett­ver­trä­ge, Ter­min- oder ver­gleich­ba­ren Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te), dass zum ande­ren aber auch die Wahr­neh­mung recht­li­cher Inter­es­sen im Zusam­men­hang mit den unter Buch­sta­ben bb) auf­ge­führ­ten Kapi­tal­an­la­gen (Wert­pa­pie­ren, z.B. Akti­en, Ren­ten­wer­te oder Fonds­an­tei­le, fer­ner Wert­rech­ten, die Wert­pa­pie­ren gleich­ste­hen) vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­nom­men wer­den soll. Das ermög­licht es, den eben­falls unter bb) auf­ge­führ­ten Begriff der Betei­li­gun­gen sys­te­ma­tisch den Kapi­tal­an­la­gen zuzu­ord­nen. Damit erfährt der im Ansatz sehr wei­te Begriff 4, der sei­nem Wort­sin­ne nach zunächst auch auf die Teil­nah­me des Ver­si­cher­ten an Grup­pie­run­gen oder Ver­an­stal­tun­gen jeder Art oder diver­se For­men von Gewinn­be­tei­li­gun­gen bezo­gen wer­den könn­te, sei­ne not­wen­di­ge Ein­schrän­kung. Im Kon­text mit den übri­gen unter bb) auf­ge­zähl­ten Kapi­tal­an­la­gen wird der Ver­si­cher­te den Begriff der Betei­li­gun­gen dahin ver­ste­hen, dass nur die unter Kapi­tal­ein­satz und zum Zwe­cke der Kapi­tal­an­la­ge erwor­be­ne Gesell­schaf­ter­stel­lung in einer Gesell­schaft gemeint sein kann, deren Zweck die rechts­ge­schäft­li­che Teil­nah­me am Wirt­schafts­le­ben ist.

Soweit sich die Gegen­an­sicht auf die Unwirk­sam­keit ähn­li­cher Risi­ko­aus­schluss­klau­seln beruft ("Effek­ten­klau­sel" und "Pro­spekt­haf­tungs­klau­sel" 5), kann sie kei­nen Erfolg haben. Über sol­che Klau­seln ist hier nicht zu befin­den. Der allein ver­wen­de­te Begriff der Betei­li­gun­gen kann bei der gebo­te­nen engen Aus­le­gung von einem durch­schnitt­li­chen Ver­si­cher­ten infol­ge des Sach­zu­sam­men­hangs des § 3 (2) Buchst. f)) ARB/​G 2007 zutref­fend erfasst wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2013 – IV ZR 233/​11

  1. st. Rspr, vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 23.06.1993 – IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85; vom 21.05.2003 – IV ZR 327/​02, WM 2003, 1363 unter 2 a; vom 26.09.2007 – IV ZR 252/​06, VersR 2007, 1690 Rn. 11[]
  2. vgl. etwa für die Zusatz­ver­sor­gung im öffent­li­chen Dienst: BGH, Urteil vom 12.01.2011 – IV ZR 118/​10, VersR 2011, 611 Rn. 11 m.w.N.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 23.11.1994 – IV ZR 48/​94, VersR 1995, 162 unter 3 b; vom 27.06.2012 – IV ZR 212/​10, VersR 2012, 1253 Rn.20[]
  4. vgl. dazu Mai­er in Harbau­er, ARB 8. Aufl. ARB 2000 § 3 Rn. 233[]
  5. vgl. dazu die BGH, Urtei­le vom 08.05.2013 – IV ZR 84/​12 und IV ZR 174/​12; vgl. dazu auch OLG Mün­chen r+s 2012, 24; OLG Frank­furt am Main VersR 2012, 757; OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.09.2012 – I6 U 198/​11[]