Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Rechts­mit­tel­frist

Eine Par­tei, die nicht in der Lage ist, die Pro­zess­kos­ten zu tra­gen, muss ihr voll­stän­di­ges Gesuch um Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ein Rechts­mit­tel­ver­fah­ren unter Ver­wen­dung der vor­ge­schrie­be­nen Vor­dru­cke und Bei­fü­gung aller erfor­der­li­chen Unter­la­gen inner­halb der Rechts­mit­tel­frist ein­rei­chen.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Rechts­mit­tel­frist

Ist dies nicht gesche­hen, war die Par­tei nicht ohne ihr Ver­schul­den ver­hin­dert, die Rechts­mit­tel­frist ein­zu­hal­ten 1.

Für eine Par­tei kraft Amtes, deren Antrag nach § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO zu beur­tei­len ist, gilt zwar kein For­mu­larzwang. Auch sie ist aber ver­pflich­tet, die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe gemäß § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO frist­ge­recht dar­zu­le­gen und auf Ver­lan­gen des Gerichts glaub­haft zu machen. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Umstän­de, derent­we­gen den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten eine Pro­zess­fi­nan­zie­rung nicht zumut­bar ist 2.

Die Rege­lung des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO soll sicher­stel­len, dass Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur gewährt wird, wenn die Kos­ten nicht von den Ver­mö­gens­trä­gern auf­ge­bracht wer­den kön­nen, denen ein Erfolg des beab­sich­tig­ten Rechts­streits zugu­te­kommt. Bei einem vom Kon­kurs­ver­wal­ter (Insol­venz­ver­wal­ter) zuguns­ten der Kon­kurs­mas­se (Insol­venz­mas­se) geführ­ten Rechts­streit sind dies in der Regel vor allem die Kon­kurs­gläu­bi­ger (Insol­venz­gläu­bi­ger), die bei einem erfolg­rei­chen Aus­gang des Rechts­streits mit einer ver­bes­ser­ten Befrie­di­gung ihrer Ansprü­che aus der zur Ver­tei­lung zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mas­se rech­nen und des­halb als wirt­schaft­lich Betei­lig­te gel­ten kön­nen 3.

Ist die Mas­se im Sin­ne von § 208 Abs. 1 InsO unzu­läng­lich, wer­den die Insol­venz­gläu­bi­ger häu­fig nicht mit einer Ver­bes­se­rung ihrer Befrie­di­gungs­quo­te rech­nen kön­nen. Gleich­wohl genügt allein der Hin­weis, dass Mas­seun­zu­läng­lich­keit ange­zeigt wur­de, nicht, um die Vor­aus­set­zun­gen des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO dar­zu­le­gen. Zum einen kann es Fäl­le geben, in denen bei einem Pro­zesserfolg die Mas­seun­zu­läng­lich­keit besei­tigt wird und auch die Insol­venz­gläu­bi­ger wie­der eine teil­wei­se Befrie­di­gung erwar­ten kön­nen. Zum ande­ren kön­nen Mas­segläu­bi­ger vor­han­den sein, denen ein Kos­ten­vor­schuss zumut­bar ist 4.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Der Antrag der Insol­venz­ver­wal­te­rin auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ist inner­halb der Monats­frist des § 544 Abs. 1 Satz 2 ZPO nach Zustel­lung des Beru­fungs­ur­teils beim Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­gan­gen. Ent­ge­gen § 114 Abs. 1 Satz 1, § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO hat die Insol­venz­ver­wal­te­rin jedoch inner­halb die­ser Frist nichts dazu vor­ge­tra­gen, dass den Insol­ven­zo­der Mas­segläu­bi­gern nicht zuzu­mu­ten sei, die Kos­ten der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf­zu­brin­gen. Auf vor­in­stanz­li­che Dar­le­gun­gen und Unter­la­gen konn­te schon des­halb nicht zurück­ge­grif­fen wer­den, weil die Insol­venz­ver­wal­te­rin in den Vor­in­stan­zen kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. März 2019 – IX ZA 8/​18

  1. BGH, Beschluss vom 18.05.2017 – IX ZA 9/​17, ZIn­sO 2017, 1428 Rn. 4 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.05.2017, aaO; vom 25.03.2015 – IX ZR 244/​14, ZIn­sO 2015, 898 Rn. 2; vom 04.12 2012 – II ZA 3/​12, NZI 2013, 82 Rn. 3 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.01.2016 – IX ZB 24/​15, ZIn­sO 2016, 542 Rn. 14[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.2005 – IX ZB 224/​04, WM 2005, 1857, 1858[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17, WM 2019, 33 Gebühr für Dritt­aus­kunft[]