Rom II

Der Ver­mitt­lungs­aus­schuss aus Ver­tre­tern des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates hat sich auf einen gemein­sa­men Ent­wurf für die Ver­ord­nung über das auf außer­ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom II-Ver­ord­nung) geei­nigt. Zu den außer­ver­trag­li­chen Schuld­ver­hält­nis­sen zäh­len neben den uner­laub­ten Hand­lun­gen ins­be­son­de­re die unge­recht­fer­tig­te Berei­che­rung und die Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag. Künf­tig sol­len damit ein­heit­li­che Regeln gel­ten, nach denen bestimmt wird, wel­ches Recht bei­spiels­wei­se für die Abwick­lung von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen anzu­wen­den ist, wenn bei einem Ver­kehrs­un­fall wegen unter­schied­li­cher Natio­na­li­tät der Unfall­be­tei­lig­ten meh­re­re Rechts­ord­nun­gen betrof­fen sind.

Rom II

Die Ver­ord­nung wird im soge­nann­ten Mit­ent­schei­dungs­ver­fah­ren erlas­sen, bei dem sowohl der Rat als auch das Euro­päi­sche Par­la­ment dem Rechts­akt zustim­men müs­sen, bevor er in Kraft tre­ten kann. Zwi­schen Rat und Par­la­ment gab es eine Rei­he von Mei­nungs­un­ter­schie­den über den Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung und über den Inhalt ein­zel­ner Bestim­mun­gen. Der Ver­mitt­lungs­aus­schuss hat sich nun in allen offe­nen Punk­ten auf eine gemein­sa­me Linie eini­gen kön­nen. Für den beson­ders schwie­ri­gen Teil­be­reich der Rege­lung bei Pres­se­de­lik­ten wird die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on bis spä­tes­tens 2008 eine Stu­die vor­le­gen.

Die Rom II-Ver­ord­nung ist nach dem Römi­schen Ver­trags­rechts­über­ein­kom­men von 1980, das für den Namen der Ver­ord­nung Pate stand, der zwei­te Rechts­akt, der inner­halb der Euro­päi­schen Gemein­schaft ein­heit­li­che Vor­schrif­ten des Inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts vor­sieht. Erst­mals sind die­se Regeln in einer Ver­ord­nung und nicht in einem völ­ker­recht­li­chen Über­ein­kom­men ent­hal­ten.

Das Inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht bestimmt bei Sach­ver­hal­ten, die eine Ver­bin­dung zu meh­re­ren Rechts­ord­nun­gen haben, wel­che die­ser Rechts­ord­nun­gen im Ein­zel­fall anzu­wen­den ist. Wenn bei­spiels­wei­se deut­sche Tou­ris­ten in Ungarn in einen Unfall ver­wi­ckelt wer­den, den der Fah­rer eines in Grie­chen­land zuge­las­se­nen Last­wa­gens ver­ur­sacht hat, bestimmt das Inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht, ob der Scha­dens­er­satz­an­spruch nach unga­ri­schem, deut­schem oder grie­chi­schem Recht zu beur­tei­len ist. Der­zeit gel­ten in den Mit­glied­staa­ten der Gemein­schaft unter­schied­li­che Regeln des Inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts und unter­schied­li­che Scha­dens­er­satz­rech­te. Wenn die deut­schen Tou­ris­ten in Deutsch­land kla­gen, wür­de das deut­sche Gericht unga­ri­sches Recht anwen­den; ande­re Staa­ten könn­ten aber durch­aus zu einem ande­ren Ergeb­nis kom­men. Dadurch kann es für den­sel­ben Sach­ver­halt zu unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen kom­men, je nach­dem, in wel­chem Staat ein Rechts­streit ent­schie­den wird. Die Rom II-Ver­ord­nung führt dazu, dass bei uner­laub­ten Hand­lun­gen regel­mä­ßig das Recht des Staa­tes zur Anwen­dung kommt, in dem der Scha­den ein­ge­tre­ten ist: Bei­spie­le: In dem obi­gen Bei­spiel, in dem deut­sche Tou­ris­ten in Ungarn in einen Unfall ver­wi­ckelt wer­den, den der Fah­rer eines in Grie­chen­land zuge­las­se­nen Last­wa­gens ver­ur­sacht hat, kommt unga­ri­sches Recht zur Anwen­dung. Für Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus einem wett­be­werbs­wid­ri­gen Ver­hal­ten eines fran­zö­si­schen Unter­neh­mens in Deutsch­land gegen­über sei­nem deut­schen Kon­kur­ren­ten, gilt deut­sches Recht. Die im Ermitt­lungs­ver­fah­ren erziel­ten Kom­pro­mis­se müs­sen von Rat und Euro­päi­schem Par­la­ment noch bestä­tigt wer­den, damit die Rom II-Ver­ord­nung in Kraft tre­ten kann.