Dar­stel­lungs­män­gel im Urteil – trotz Deals

An der Annah­me eines Dar­stel­lungs­man­gels ändert es nichts, dass dem Urteil eine Ver­stän­di­gung im Sin­ne von § 257c StPO zugrun­de liegt.

Dar­stel­lungs­män­gel im Urteil – trotz Deals

Die Ver­stän­di­gung darf den Schuld­spruch nicht zum Gegen­stand haben (§ 257c Abs. 2 Satz 3 StPO). Auch die Pflicht des Tat­ge­richts zur voll­stän­di­gen Auf­klä­rung des Sach­ver­halts bleibt von der Ver­stän­di­gung unbe­rührt (§ 257c Abs. 1 Satz 2 StPO), eben­so die Pflicht zur Wah­rung der Min­dest­an­for­de­run­gen an die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung 1.

Zugleich wird die tatrich­ter­li­che Auf­ga­be der Dar­stel­lung des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts (§ 267 Abs. 1 Satz 1 StPO) und der die­sen Fest­stel­lun­gen zu Grun­de lie­gen­den Beweis­wür­di­gung (§ 267 Abs. 1 Satz 2 StPO) nicht ein­ge­schränkt, weil eine Ver­stän­di­gung statt­ge­fun­den hat.

Viel­mehr unter­liegt das Urteil auch dann, wie es dem Rege­lungs­ge­dan­ken der §§ 35a Satz 3, 302 Abs. 1 Satz 2 StPO zu ent­neh­men ist, der unein­ge­schränk­ten Nach­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt. Dies macht bei der Urteils­ab­set­zung eine genaue Mit­tei­lung der zur jewei­li­gen Tat getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sowie der dafür maß­geb­li­chen Beweis­grund­la­gen erfor­der­lich.

Allein die Bereit­schaft eines Ange­klag­ten, wegen eines bestimm­ten Sach­ver­halts eine Stra­fe hin­zu­neh­men, die das gericht­lich zuge­sag­te Höchst­maß nicht über­schrei­tet, ent­bin­det das Gericht nicht von die­sen Pflich­ten 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2015 – 2 StR 75/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 22.09.2011 – 2 StR 383/​11, StV 2012, 133[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 StR 222/​10[]