Effek­ti­ver Rechts­schutz und Will­kür­ver­bot im Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren

Das Gebot des effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­langt die Aus­schöp­fung sämt­li­cher erfolg­ver­spre­chen­der Erkennt­nis­quel­len im Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren.

Effek­ti­ver Rechts­schutz und Will­kür­ver­bot im Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – zum zwei­ten Mal in der­sel­ben Sache – eine Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg auf­ge­ho­ben, mit der das OLG Naum­burg einen Antrag des Beschwer­de­füh­rers auf Reha­bi­li­tie­rung wegen sei­ner Unter­brin­gung in Kin­der­hei­men der ehe­ma­li­gen DDR abge­lehnt hat­te. Nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­stößt die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg nicht nur gegen das Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes son­dern in sei­ner Aus­le­gung des Straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes auch gegen das Will­kür­ver­bot.

Das Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg ist nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei­ner Amts­er­mitt­lungs­pflicht nicht aus­rei­chend nach­ge­kom­men und hat damit das Recht des Beschwer­de­füh­rers auf effek­ti­ven Rechts­schutz ver­letzt. Zudem hat das Ober­lan­des­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung eine will­kür­li­che Aus­le­gung des straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes zugrun­de gelegt, die eine Anwen­dung des Geset­zes auf die Heim­un­ter­brin­gung von Kin­dern im Ergeb­nis aus­schließt.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Der Beschwer­de­füh­rer bean­trag­te im Dezem­ber 2006 sei­ne Reha­bi­li­tie­rung wegen der Unter­brin­gung in Kin­der­hei­men der ehe­ma­li­gen DDR in den Jah­ren 1961 bis 1966 und 1967 bis 1970.

Nach­dem das Land­ge­richt Mag­de­burg von dem betei­lig­ten Jugend­äm­tern, dem Lan­des­ju­gend­amt sowie einem der Kin­der­hei­me in Mag­de­burg die Aus­kunft erhal­ten hat­te, dass Unter­la­gen zu dem Beschwer­de­füh­rer dort nicht mehr vor­han­den sei­en, teil­te es dem Beschwer­de­füh­rer mit, es hät­ten sich kei­ne Erkennt­nis­se bezüg­lich der in Sach­sen-Anhalt bele­ge­nen Jugend­hei­me gewin­nen las­sen. Da wei­te­re Ermitt­lungs­an­sät­ze nicht erkenn­bar sei­en, kom­me die Anord­nung des Ruhens des Ver­fah­rens in Betracht. In sei­ner Stel­lung­nah­me rüg­te der Antrag­stel­ler, ein sol­ches Vor­ge­hen wider­spre­che dem Amts­er­mitt­lungs­grund­satz. Aus­lö­ser für das Tätig­wer­den des Jugend­amts Burg im Jahr 1960 sei­en ver­mut­lich die zwangs­wei­se Aus­sied­lung sei­nes Vaters sowie die ille­ga­le Aus­rei­se durch den Bru­der sei­ner Mut­ter gewe­sen. Es bestehe die Ver­mu­tung, dass sei­ne Ein­wei­sung in ein geschlos­se­nes Kin­der­heim und die jähr­li­che Ver­le­gung in immer neue, ört­lich weit vom Eltern­haus ent­fern­te Ein­rich­tun­gen habe ver­hin­dern sol­len, dass die Mut­ter mit ihm zusam­men das Gebiet der DDR ver­las­se. Dass das Nicht­vor­han­den­sein von Unter­la­gen und Beweis­mit­teln für sol­che Vor­gän­ge zu sei­nen Las­ten gehen sol­le, ent­spre­che nicht dem Sinn des Reha­bi­li­tie­rungs­ge­dan­ken des Geset­zes.

Mit Beschluss vom 21.12 2007 wies dar­auf­hin das Land­ge­richt Mag­de­burg den Antrag zurück. Es sei nicht ersicht­lich, dass die Ein­wei­sung des Beschwer­de­füh­rers in ein Kin­der­heim unter Zugrun­de­le­gung des Stan­des der päd­ago­gi­schen Wis­sen­schaf­ten im Jahr 1961 mit wesent­li­chen Grund­sät­zen einer frei­heit­li­chen rechts­staat­li­chen Ord­nung unver­ein­bar gewe­sen sei. Die dies bestä­ti­gen­de Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg hob das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 13.05.2009 auf und ver­wies die Sache zurück 1.

Die nach Zurück­ver­wei­sung der Sache durch das Ober­lan­des­ge­richt mit dem Ziel einer Auf­klä­rung über die Umstän­de der Unter­brin­gung in den von dem Beschwer­de­füh­rer genann­ten Kin­der- und Son­der­hei­men ver­an­lass­ten Anfra­gen an die Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR in Sach­sen-Anhalt, Ber­lin und Thü­rin­gen sowie Fol­ge­an­fra­gen an das Bran­den­bur­gi­sche Lan­des­haupt­ar­chiv, an die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ver­wal­tung für Bil­dung, Wis­sen­schaft und For­schung des Lan­des Ber­lin, an das Bun­des­ar­chiv und das Lan­des­ar­chiv Ber­lin blie­ben ergeb­nis­los.

Zu den Ein­rich­tun­gen in Bol­lers­dorf, Werft­pfuhl und Borgs­dorf teil­te das Minis­te­ri­um für Bil­dung, Jugend und Sport des Lan­des Bran­den­burg mit, die­se Ein­rich­tun­gen hät­ten – eben­so wie eine vier­te in Groß-Köris – zum Kom­bi­nat der Son­der­hei­me des Päd­ago­gisch-Medi­zi­ni­schen Zen­trums in Ber­lin gehört, das auf die Behand­lung, Unter­brin­gung und The­ra­pie soge­nann­ter ver­hal­tens­ge­stör­ter Kin­der spe­zia­li­siert gewe­sen sei. Aus den vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen kön­ne nur ein gro­bes Bild der Erzie­hungs­pra­xis in den Son­der­hei­men gezeich­net wer­den.

In einem wei­te­ren – noch vor­läu­fi­gen – Bericht der Beauf­trag­ten des Lan­des Bran­den­burg zur Auf­ar­bei­tung der Fol­gen der kom­mu­nis­ti­schen Dik­ta­tur vom 02.10.2010 ist aus­ge­führt, die Auf­ga­be des nach einem Beschluss des Prä­si­di­ums des Minis­ter­rats aus dem Jahr 1964 gegrün­de­ten "Kom­bi­nats der Son­der­hei­me für Psy­cho­dia­gnos­tik und päd­ago­gisch-psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie" mit ins­ge­samt vier Son­der­hei­men und einem Dia­gnos­ti­schen Zen­trum mit Auf­nah­me­heim in Ber­lin habe dar­in bestan­den, Schü­ler, die "auf­grund ihrer star­ken Fehl­ent­wick­lung mit all­ge­mei­nen päd­ago­gi­schen Mit­teln nicht hin­rei­chend zu beein­flus­sen sind und des­halb einer spe­zi­el­len päd­ago­gi­schen-psy­cho­lo­gi­schen Ein­wir­kung bedür­fen", in den Son­der­hei­men umzu­er­zie­hen. Nach der bis­he­ri­gen Aus­wer­tung von 23 Akten in dem Heim Werft­pfuhl unter­ge­brach­ter Kin­der und Jugend­li­cher habe die Unter­brin­gung und Behand­lung in den Son­der­hei­men in gro­bem Miss­ver­hält­nis zu den Situa­tio­nen gestan­den, denen damit begeg­net wer­den soll­te. Ein­wei­sun­gen, Unter­brin­gung und Behand­lung sei­en mit dem Ziel erfolgt, an einem iso­lier­ten Ort unter Umge­hung gel­ten­der Geset­ze durch eine mili­tä­risch gepräg­te Kol­lek­ti­verzie­hung das vor­geb­li­che Fehl­ver­hal­ten durch eine soge­nann­te Umer­zie­hung zu kor­ri­gie­ren. Die Kin­der und Jugend­li­chen sei­en Iso­la­ti­on, Druck und Gewalt unter­zo­gen und jah­re­lang mit Psy­cho­phar­ma­ka behan­delt wor­den.

Der Beschwer­de­füh­rer wur­de von den Anfra­gen und deren Ergeb­nis­sen nicht in Kennt­nis gesetzt. Wei­ter­ge­hen­de Ermitt­lungs­maß­nah­men nahm das Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg nicht vor.

Mit Beschluss vom 22.10.2010 hob das Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg den Beschluss des Land­ge­richts Mag­de­burg vom 21.12 2007 auf, soweit dar­in über Heim­ein­wei­sun­gen des Beschwer­de­füh­rers nach 1966 ent­schie­den wur­de, und ver­warf den Reha­bi­li­tie­rungs­an­trag in die­sem Umfang als unzu­läs­sig. Die wei­ter­ge­hen­de Beschwer­de ver­warf es – erneut – als unbe­grün­det 2.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen: Der Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg ver­stößt gegen Art. 3 Abs. 1 GG und gegen Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG.

Will­kür­ver­bot[↑]

Der Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts ver­stößt gegen den Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) in der Aus­prä­gung des Will­kür­ver­bots, soweit das Ober­lan­des­ge­richt den Reha­bi­li­tie­rungs­an­trag im Hin­blick auf die Heim­auf­ent­hal­te in der Zeit von 1967 bis zum 8.07.1970 als unzu­läs­sig ver­wor­fen und ange­nom­men hat, die Heim­auf­ent­hal­te des Beschwer­de­füh­rers in den Jah­ren 1961 bis 1966 hät­ten kei­ne Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 und 2 des Straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes (StrRe­haG) 3 bedeu­tet.

Ein Rich­ter­spruch ver­stößt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dann gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­grund­satz in sei­ner Aus­prä­gung als Ver­bot objek­ti­ver Will­kür, wenn er unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar ist und sich daher der Schluss auf­drängt, dass er auf sach­frem­den Erwä­gun­gen beruht. Das ist anhand objek­ti­ver Kri­te­ri­en fest­zu­stel­len. Feh­ler­haf­te Rechts­an­wen­dung macht eine Gerichts­ent­schei­dung nicht objek­tiv will­kür­lich. Schlech­ter­dings unhalt­bar ist eine fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dung viel­mehr erst dann, wenn eine offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge Norm nicht berück­sich­tigt, der Inhalt einer Norm in kras­ser Wei­se miss­ver­stan­den oder sonst in nicht mehr nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se ange­wen­det wird 4.

Das ist bei der teil­wei­sen Ver­wer­fung des Reha­bi­li­tie­rungs­an­trags als unzu­läs­sig im Hin­blick auf § 7 Abs. 2, § 15 StrRe­haG, § 309 Abs. 2 StPO der Fall.

Soweit in dem Straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz nichts ande­res bestimmt ist, gel­ten die Vor­schrif­ten des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes und der Straf­pro­zess­ord­nung ent­spre­chend (§ 15 StrRe­haG). Die Ent­schei­dung über eine gemäß § 13 Abs. 1 StrRe­haG statt­haf­te Beschwer­de ergeht daher im schrift­li­chen Ver­fah­ren durch einen zu begrün­den­den Beschluss (§ 15 StrRe­haG i.V.m. § 309 Abs. 1 StPO). Wird die Beschwer­de für begrün­det erach­tet, so erlässt das Beschwer­de­ge­richt gemäß § 15 StrRe­haG in Ver­bin­dung mit § 309 Abs. 2 StPO zugleich die in der Sache erfor­der­li­che Ent­schei­dung 5.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat unter Ver­weis auf Kom­men­tie­run­gen zum Straf­pro­zess­recht 6 ange­nom­men, es müs­se den ange­foch­te­nen Beschluss wegen der ört­li­chen Unzu­stän­dig­keit des Gerichts des ers­ten Rechts­zugs auf­he­ben und den gestell­ten Antrag ableh­nen. Die von dem Beschwer­de­füh­rer hilfs­wei­se bean­trag­te Ver­wei­sung an das ört­lich zustän­di­ge Gericht hat es für – grund­sätz­lich – aus­ge­schlos­sen gehal­ten. Das ist unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar, denn es lässt die offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge Vor­schrift des § 7 Abs. 2 StrRe­haG außer Acht.

Im Straf­ver­fah­rens­recht fehlt es für die Ver­wei­sung eines Ver­fah­rens vom ört­lich unzu­stän­di­gen an das ört­lich zustän­di­ge Gericht an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge. Der Erstrich­ter darf folg­lich bei ört­li­cher Unzu­stän­dig­keit kei­ne Ver­wei­sung aus­spre­chen, son­dern muss eine Sach­ent­schei­dung ableh­nen 7. Soweit das Beschwer­de­ge­richt gemäß § 309 Abs. 2 StPO die in der Sache erfor­der­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen hat, kann es des­halb (auch) kei­ne Ver­wei­sung aus­spre­chen, son­dern muss die Erst­ent­schei­dung auf­he­ben und den gestell­ten Antrag ableh­nen 8.

Nach den kla­ren gesetz­li­chen Rege­lun­gen liegt es im Reha­bi­li­tie­rungs­recht aber anders. Nach § 7 Abs. 2 StrRe­haG kann der Antrag nach § 1 StrRe­haG bei jedem Gericht schrift­lich oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le gestellt wer­den. Die Prü­fung der ört­li­chen Zustän­dig­keit erfolgt von Amts wegen. Ein unzu­stän­di­ges Gericht hat die Sache an das ört­lich und sach­lich zustän­di­ge Gericht abzu­ge­ben. Das Straf­recht­li­che Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz sieht eine Ver­wer­fung des Antrags als unzu­läs­sig man­gels eige­ner ört­li­cher Zustän­dig­keit nicht vor. Dies folgt bereits aus der – aus Grün­den der Für­sor­ge 9 von dem Gesetz vor­ge­se­he­nen – Befug­nis des Antrag­stel­lers nach § 7 Abs. 2 Satz 1 StrRe­haG, den Reha­bi­li­tie­rungs­an­trag bei jedem deut­schen Gericht zu stel­len. Wird er bei einem unzu­stän­di­gen Gericht gestellt, ist er daher – was der Beschwer­de­füh­rer in der Beschwer­de auch aus­drück­lich bean­tragt hat – von die­sem form­los an das zustän­di­ge Gericht abzu­ge­ben. (Erst) wenn die­ses sei­ne Zustän­dig­keit ver­neint, ist das Ver­fah­ren nach § 14 StPO durch­zu­füh­ren 10.

Die offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge Norm des § 7 Abs. 2 StrRe­haG hat das Ober­lan­des­ge­richt – wie der Beschwer­de­füh­rer zu Recht rügt – bei sei­ner Ent­schei­dung nicht berück­sich­tigt. Es hat­te gemäß § 15 StrRe­haG in Ver­bin­dung mit § 309 Abs. 2 StPO die in der Sache erfor­der­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen und hät­te das Ver­fah­ren daher an das zustän­di­ge Gericht abge­ben müs­sen.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt im Übri­gen meint, das Land­ge­richt habe nicht berück­sich­tigt, dass der Antrag des Beschwer­de­füh­rers auch Zeit­räu­me erfas­se, hin­sicht­lich derer schon Reha­bi­li­tie­rungs­ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Cott­bus, des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts und des Kam­mer­ge­richts vor­lä­gen, deren mate­ri­el­le Rechts­kraft einer erneu­ten Reha­bi­li­tie­rungs­ent­schei­dung ent­ge­gen­ste­he, über­sieht es, dass sich der streit­ge­gen­ständ­li­che Reha­bi­li­tie­rungs­an­trag aus­drück­lich nur auf die Heim­un­ter­brin­gun­gen bis zum 8.07.1970 bezieht, die die genann­ten Ent­schei­dun­gen nicht betref­fen.

Auch die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts, die Heim­auf­ent­hal­te des Beschwer­de­füh­rers in den Jah­ren 1961 bis 1966 hät­ten kei­ne Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 und 2 StrRe­haG dar­ge­stellt, weil sie ledig­lich mit alters­ge­rech­ten oder für eine Begut­ach­tung erfor­der­li­chen Frei­heits­be­schrän­kun­gen ver­bun­den gewe­sen sei­en, ist auf der Grund­la­ge der vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ver­tret­bar und ver­stößt gegen den Gleich­heits­satz in der Aus­prä­gung des Will­kür­ver­bots (Art. 3 Abs. 1 GG).

Gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 StrRe­haG in der vom Ober­lan­des­ge­richt bei der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung zugrun­de zu legen­den bis zum 8.12 2010 gel­ten­den Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 17.12 1999 11 fin­den die Vor­schrif­ten des Straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes auf eine außer­halb eines Straf­ver­fah­rens ergan­ge­ne gericht­li­che oder behörd­li­che Ent­schei­dung, mit der eine Frei­heits­ent­zie­hung ange­ord­net wor­den ist, ent­spre­chen­de Anwen­dung. Eine Frei­heits­ent­zie­hung setzt eine voll­stän­di­ge und nach­hal­ti­ge Abson­de­rung von der Umwelt mit Beschrän­kung auf einen eng begrenz­ten Raum – Zel­le, Lager, Gebäu­de­kom­plex – vor­aus 12.

Der Frei­heits­ent­zie­hung wer­den durch § 2 Abs. 2 StrRe­haG Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen oder Zwangs­ar­beit unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen gleich­ge­stellt. Damit sol­len, wie in § 43 Abs. 3 des Bun­des­ge­set­zes zur Ent­schä­di­gung für Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 29.06.1956 13, neben der eigent­li­chen Frei­heits­ent­zie­hung auch bestimm­te For­men der Frei­heits­be­schrän­kun­gen in die Rege­lung ein­be­zo­gen wer­den. Ein Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen gemäß § 2 Abs. 2 StrRe­haG liegt, wie auch das Ober­lan­des­ge­richt nicht ver­kannt hat, vor, wenn der Betrof­fe­ne erheb­li­chen und lau­fend behörd­lich streng über­wach­ten Ein­schrän­kun­gen sei­ner Bewe­gungs­frei­heit unter­wor­fen ist und nach den sons­ti­gen sich erge­ben­den Bedin­gun­gen ein Leben füh­ren muss, das dem eines Häft­lings sehr nahe kommt 14.

Zu § 43 Abs. 3 BEG war aner­kannt, dass ein Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen auch dann vor­lie­gen kann, wenn es – bei bestehen­der Auf­ent­halts­be­schrän­kung – an dem Ein­ge­schlos­sen­sein im stren­gen Sin­ne fehlt, auf der ande­ren Sei­te aber sons­ti­ge, im all­ge­mei­nen mit dem Begriff der Haft ver­bun­de­ne Merk­ma­le deut­lich her­vor­tre­ten 15. Das ist dann der Fall, wenn der Ver­folg­te an dem betref­fen­den Ort zwar nicht voll­stän­dig, aber sehr weit­ge­hend von sei­ner Umwelt abge­schnit­ten ist 16. Dabei sind bei Kin­dern und Jugend­li­chen ins­be­son­de­re auch die mit der Unmög­lich­keit von Kon­tak­ten zu ihren Eltern ver­bun­de­nen psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen zu berück­sich­ti­gen. So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ein Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen im Sin­ne von § 43 Abs. 3 BEG bei einem zwölf­jäh­ri­gen Schul­kind bejaht, das im Jahr 1937 durch das Jugend­amt zum Zwe­cke der poli­ti­schen und reli­giö­sen Umer­zie­hung sei­nen Eltern ent­zo­gen und bei einer mit sei­ner Über­wa­chung beauf­trag­ten Land­wir­tin im Ort S. unter­ge­bracht wor­den war, wobei es mit sei­nen Eltern weder brief­lich noch per­sön­lich Ver­bin­dung auf­neh­men und den Ort S. – bei ansons­ten frei­en Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten im Ort selbst – nicht ver­las­sen durf­te 17.

Die Unter­brin­gung in einem Jugend­werk­hof und einem geschlos­se­nen Durch­gangs­heim stellt nach gefes­tig­ter ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung ein Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen dar 18. Die Unter­brin­gung in einem Kin­der­heim ist nach der Recht­spre­chung in der Regel mit erheb­li­chen frei­heits­be­schrän­ken­den Maß­nah­men ver­bun­den und wur­de auch nach der bis zum 8.12 2010 gel­ten­den Fas­sung des § 2 StrRe­haG (ohne wei­te­res) als haft­ähn­lich ange­se­hen, wenn sie aus Grün­den der poli­ti­schen Ver­fol­gung oder aus sach­frem­den Grün­den erfolg­te 19.

Die Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts, die von dem Beschwer­de­füh­rer geschil­der­ten Lebens­be­din­gun­gen wäh­rend sei­ner Heim­auf­ent­hal­te stell­ten kein der Frei­heits­ent­zie­hung gleich­ge­stell­tes Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 StrRe­haG, son­dern ledig­lich alters­ge­rech­te Frei­heits­be­schrän­kun­gen dar, die nicht über das hin­aus­gin­gen, was Kin­der an übli­chen Frei­heits­be­schrän­kun­gen zu die­ser Zeit erfah­ren hät­ten, ist unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar. Sie führt zu einer kras­sen Miss­deu­tung des Inhalts des § 2 Abs. 2 StrRe­haG, durch die das gesetz­ge­be­ri­sche Anlie­gen grund­le­gend ver­fehlt wird.

Zu den Lebens­be­din­gun­gen in den Hei­men, in denen er unter­ge­bracht war, hat der Beschwer­de­füh­rer in der Beschwer­de vor­ge­tra­gen, sämt­li­che Ein­rich­tun­gen, in denen er sich befun­den habe, hät­ten Straf­cha­rak­ter gehabt. Türen und Fens­ter sei­en ver­schlos­sen gewe­sen. Urlaub oder so genann­te Feri­en zu Hau­se sei­en nicht vor­ge­se­hen gewe­sen. Ihre Gewäh­rung habe der allei­ni­gen Ein­schät­zung des Grup­pen­er­zie­hers unter­le­gen. Ein Schul­jahr lang habe der Beschwer­de­füh­rer kei­nen Kon­takt zur Mut­ter haben dür­fen. Die Kin­der hät­ten Anstalts­klei­dung und ein­heit­li­che Haar­schnit­te getra­gen. Der Tages­ab­lauf sei straff geplant gewe­sen. Indi­vi­du­el­le Frei­zeit habe es nicht gege­ben. Alles – per­sön­li­che Kör­per­pfle­ge, Stu­ben- und Revier­rei­ni­gen, Mahl­zei­ten ein­neh­men und Brie­fe­schrei­ben – sei in der Grup­pe und unter Kon­trol­le durch­ge­führt wor­den. Brie­fe an die Eltern sei­en gene­rell zen­siert, Post und – ohne­hin streng regle­men­tier­te – Päck­chen von den Eltern teil­wei­se nicht aus­ge­hän­digt wor­den. Nach dem Schul­un­ter­richt sei die Frei­zeit in der Grup­pe ver­bracht wor­den. Den Kin­dern sei durch die Über­tra­gung von Pflicht­ar­bei­ten genau vor­ge­ge­ben wor­den, was sie hät­ten tun dür­fen. Frei­zeit habe das Erler­nen von Hand­ar­beit, das Repa­rie­ren von Klei­dung, die Säu­be­rung des Objekts und Stu­ben- und Revier­rei­ni­gen bedeu­tet. Bereits seit sei­ner ers­ten Heim­ein­wei­sung habe er für sei­nen Unter­halt, für sei­nen Beklei­dungs­zu­stand, sei­ne räum­li­che und kör­per­li­che Ord­nung und Sau­ber­keit sowie für alle Belan­ge des täg­li­chen Lebens selbst Ver­ant­wor­tung tra­gen müs­sen. Es habe kei­ne frei­en Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten für die Kin­der und Jugend­li­chen gege­ben. Jeg­li­che Abson­de­rung von der Grup­pe, die nicht vom Erzie­her geneh­migt wor­den sei, habe als Flucht­ver­such gegol­ten und sei bestraft wor­den. Jeg­li­che Intim­sphä­re sei auf­ge­löst gewe­sen. Es habe ein Sys­tem der Kol­lek­tiv­be­stra­fung und eine Grup­pen­hier­ar­chie mit ent­spre­chen­der Gewalt­aus­übung der Kin­der unter­ein­an­der gege­ben, die von dem Erzie­hungs­per­so­nal als Mit­tel der Dis­zi­pli­nie­rung geför­dert und genutzt wor­den sei. Wer sich wegen Über­grif­fen an die Erzie­her gewen­det habe, sei bestraft wor­den. Ent­wür­di­gen­de Stra­fen sei­en an der Tages­ord­nung gewe­sen.

Von die­sem Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers geht das Ober­lan­des­ge­richt für die Hei­me "Wei­ße Tau­be" in Bol­lers­dorf und "Komen­sky" in Alten­got­tern, bei denen es sich nach den dem Ober­lan­des­ge­richt vor­lie­gen­den Unter­la­gen zur Zeit der Unter­brin­gung des Beschwer­de­füh­rers um Spe­zi­al­kin­der­hei­me han­del­te, aus­drück­lich aus. Es ent­spricht im Übri­gen auch dem von der Lan­des­be­auf­trag­ten für Meck­len­burg-Vor­pom­mern für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR her­aus­ge­ge­be­nen Bericht von Sach­se 20. Soweit das Ober­lan­des­ge­richt annimmt, eine Frei­heits­ent­zie­hung durch die Ein­wei­sung in das Kin­der­heim "Erich Wei­nert" schei­de schon des­halb aus, weil die­ses als Nor­mal­kin­der­heim "offen" gewe­sen sei, fehlt, wie der Beschwer­de­füh­rer zu Recht rügt, jede tat­säch­li­che Grund­la­ge für die­se Fest­stel­lung und ins­be­son­de­re eine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers, sei­ne Schil­de­run­gen beträ­fen die Ver­hält­nis­se in sämt­li­chen Ein­rich­tun­gen, in denen er unter­ge­bracht gewe­sen sei.

Nach sei­nem Vor­brin­gen muss­te der Beschwer­de­füh­rer ein Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen füh­ren (§ 2 Abs. 2 StrRe­haG). Er war einer Auf­ent­halts­be­schrän­kung unter­wor­fen, denn er durf­te einen eng umgrenz­ten ört­li­chen Bereich – das jewei­li­ge Heim oder den Auf­ent­halts­ort sei­ner jewei­li­gen Heim­grup­pe – nicht ver­las­sen und stand unter der stän­di­gen Auf­sicht der Erzie­her. Sei­ne Außen­kon­tak­te waren erheb­lich ein­ge­schränkt. Er war durch die – gegen den Wil­len sei­ner Mut­ter erfolg­te – Unter­brin­gung in einem Heim außer­halb des Eltern­hau­ses und die behörd­lich ver­wehr­ten Kon­tak­te zu der – kon­takt­be­rei­ten – Mut­ter behörd­lich auf­er­leg­ten Beschrän­kun­gen unter­wor­fen, mit denen bei Kin­dern in dem Alter des Beschwer­de­füh­rers erheb­li­che psy­chi­sche Beein­träch­ti­gun­gen ver­bun­den sind 21. Der Beschwer­de­füh­rer hat­te zudem kei­ner­lei indi­vi­du­el­le Rück­zugs­mög­lich­kei­ten und Intim­sphä­re sowie kei­ner­lei Bewe­gungs­frei­heit oder indi­vi­du­el­le Frei­zeit zu alters­ge­rech­tem Spiel, und genoss kei­ner­lei Schutz gegen­über von Leh­rern, Erzie­hern und ande­ren Kin­dern aus­ge­üb­ter Gewalt.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt meint, die dem Beschwer­de­füh­rer auf­er­leg­ten Beschrän­kun­gen stell­ten ledig­lich alters­ge­rech­te Frei­heits­be­schrän­kun­gen dar, die nicht über das hin­aus­gin­gen, was Kin­der an übli­chen Frei­heits­be­schrän­kun­gen zu die­ser Zeit erfah­ren hät­ten, trifft das offen­sicht­lich nicht zu. Kin­der in die­sem Alter erfah­ren übli­cher­wei­se kei­ne behörd­lich ver­an­lass­te Tren­nung von ihren Eltern. Auch muss­ten bei ihren Eltern leben­de Kin­der in den Jah­ren 1961 bis 1966 in der Regel nicht unter den von dem Beschwer­de­füh­rer geschil­der­ten Umstän­den leben. Dass ver­gleich­ba­re Bedin­gun­gen in den sech­zi­ger Jah­ren auch in ande­ren Kin­der­hei­men im Wes­ten wie im Osten geherrscht haben mögen, spricht nicht gegen die Annah­me haft­ähn­li­cher Bedin­gun­gen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 StrRe­haG.

Mit der Begrün­dung des Ober­lan­des­ge­richts ver­bleibt den Vor­schrif­ten der § 2 Abs. 1 und 2, § 1 Abs. 1 StrRe­haG für in Kin­der­hei­men unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen unter­ge­brach­te Kin­der im Alter von sechs bis elf Jah­ren (gar) kein Anwen­dungs­be­reich. Ihnen wird eine Reha­bi­li­tie­rung für ein behörd­lich aus Grün­den der poli­ti­schen Ver­fol­gung oder sonst sach­frem­den Grün­den ange­ord­ne­tes Leben unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen im Gegen­satz zu Jugend­li­chen und Erwach­se­nen grund­sätz­lich ver­wehrt, obwohl ein sol­ches Leben geeig­net ist, gegen den Wil­len der Eltern von die­sen getrenn­te sechs- bis elf­jäh­ri­ge Kin­der beson­ders hart zu tref­fen. Das ist unter kei­nem recht­li­chen Aspekt mehr ver­tret­bar und stellt einen Ver­stoß gegen das aus Art. 3 Abs. 1 GG abzu­lei­ten­de Will­kür­ver­bot dar.

Die Fol­ge­rung des Ober­lan­des­ge­richts, eine Frei­heits­ent­zie­hung sei vor­lie­gend zu ver­nei­nen, steht im Übri­gen in einem unauf­ge­lös­ten Wider­spruch zu sei­ner Annah­me, eine sol­che lie­ge bei der Ein­wei­sung in eine geschlos­se­ne Ein­rich­tung vor, und auch Spe­zi­al­hei­me der Jugend­hil­fe der DDR sei­en unter Umstän­den der­art abge­schlos­sen gewe­sen.

Ange­sichts des Vor­trags des Beschwer­de­füh­rers und des dem Ober­lan­des­ge­richt zudem vor­lie­gen­den vor­läu­fi­gen Berichts des Beauf­trag­ten des Lan­des Bran­den­burg zur Auf­ar­bei­tung der Fol­gen der kom­mu­nis­ti­schen Dik­ta­tur vom 02.10.2010 ist auch nicht nach­voll­zieh­bar, war­um die in dem Auf­nah­me­heim des Kom­bi­nats der Son­der­hei­me in Ber­lin-Nie­der­schö­ne­wei­de "übli­chen Frei­heits­be­schrän­kun­gen, die mit der Anfer­ti­gung eines Gut­ach­tens ver­bun­den waren", kei­ne Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 und 2 StrRe­haG bedeu­te­ten.

Schließ­lich lässt das Ober­lan­des­ge­richt gänz­lich außer Acht, dass der Beschwer­de­füh­rer sich – wäh­rend nicht näher vom Ober­lan­des­ge­richt auf­ge­klär­ter Zeit­räu­me – in der Psych­ia­trie befun­den hat. In die­sem Fall wird das Vor­lie­gen einer Frei­heits­ent­zie­hung aber unwi­der­leg­bar vom Gesetz­ge­ber ver­mu­tet 22.

Effek­ti­ver Rechts­schutz und Auf­klä­rungs­pflicht[↑]

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt annimmt, eine etwai­ge Frei­heits­ent­zie­hung sei jeden­falls nicht mit wesent­li­chen Grund­sät­zen einer frei­heit­li­chen rechts­staat­li­chen Ord­nung unver­ein­bar, ver­stößt der Beschluss gegen Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes.

Das Rechts­staats­prin­zip ent­hält das Gebot, wirk­sa­men Rechts­schutz zu gewäh­ren, der grund­sätz­lich zu einer umfas­sen­den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Prü­fung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des füh­ren muss. Art. 2 Abs. 1 GG ver­leiht dem Ein­zel­nen ein Recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz. Die­ses Recht ist ver­letzt, wenn die Gerich­te die pro­zess­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten etwa zur Sach­ver­halts­fest­stel­lung so eng aus­le­gen, dass ihnen eine sach­li­che Prü­fung der ihnen vor­ge­leg­ten Fra­gen nicht mög­lich ist und das vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Ver­fah­rens­ziel des­halb nicht erreicht wer­den kann 23.

§ 10 Abs. 1 Satz 1 StrRe­haG ver­pflich­tet die Gerich­te zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts von Amts wegen. Dies erschien dem Gesetz­ge­ber nicht nur wegen der Nähe zum Straf­ver­fah­ren not­wen­dig, son­dern auch im Hin­blick auf die beson­de­re Für­sor­ge­pflicht des Gerichts gegen­über den Antrag­stel­lern und wegen der Schwie­rig­keit erfor­der­lich, die häu­fig in fer­ner Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Sach­ver­hal­te zu ermit­teln. Das Gericht muss des­halb die für sei­ne Ent­schei­dung erheb­li­chen Tat­sa­chen selbst prü­fen 24. Es muss Hin­wei­sen auf eine mög­li­che poli­ti­sche Ver­fol­gung oder sons­ti­ge sach­frem­de Grün­de unter Aus­nut­zung aller ihm im Frei­be­weis­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel nach­ge­hen. Da es hier­zu von Amts wegen ver­pflich­tet ist, sind an die Dar­le­gung durch den Antrag­stel­ler kei­ne all­zu hohen Anfor­de­run­gen zu stel­len 25. Das Gericht hat von sich aus – im Rah­men pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens – die zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts not­wen­di­gen Maß­nah­men zu tref­fen. Es hat – unter­stützt von der Staats­an­walt­schaft und durch die in § 10 Abs. 2 StrRe­haG nor­mier­te Mit­wir­kungs­pflicht des Antrag­stel­lers – sämt­li­che Erkennt­nis­quel­len zu ver­wen­den, die erfah­rungs­ge­mäß dazu füh­ren kön­nen, die Anga­ben eines Betrof­fe­nen zu bestä­ti­gen 26.

Hält sich ein Reha­bi­li­tie­rungs­ge­richt an die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der Gerich­te (oder Behör­den) der ehe­ma­li­gen DDR für gebun­den, so ver­wei­gert es dem Betrof­fe­nen die von Rechts­staats wegen gefor­der­te Über­prü­fung erheb­li­cher Tat­sa­chen und ver­fehlt damit schlech­ter­dings das vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Ziel, zur Reha­bi­li­tie­rung poli­tisch (Straf-)Verfolgter die fort­dau­ern­de Wirk­sam­keit von Urtei­len die­ser Gerich­te (oder Ent­schei­dun­gen die­ser Behör­den) zu durch­bre­chen. Ein sol­cher­ma­ßen inef­fek­ti­ves Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren steht in Wider­spruch zum Rechts­staats­prin­zip des Grund­ge­set­zes 27.

wenn das Gericht alle Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft hat, ent­schei­det es in frei­er Beweis­wür­di­gung 28. § 10 Abs. 2 StrRe­haG for­dert inso­weit nicht den vol­len Beweis, son­dern lässt die Glaub­haft­ma­chung genü­gen. Damit wird für das Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass der Rich­ter sich für sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung mit einem gerin­ge­ren Maß an Wahr­schein­lich­keit begnü­gen kann. Es genügt eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit 29. Die Nicht­er­weis­lich­keit anspruchs­be­grün­den­der Tat­sa­chen geht aller­dings zu Las­ten des Antrag­stel­lers. Die Reha­bi­li­tie­rungs­ge­rich­te sind von Ver­fas­sungs wegen nicht gehal­ten, im Zwei­fel für den Antrag­stel­ler zu ent­schei­den. Der Grund­satz in dubio pro reo gilt nicht 30.

Nach die­sem Maß­stab hat das Ober­lan­des­ge­richt sei­ne Auf­ga­be zur Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­fehlt, indem es der ihm oblie­gen­den Amts­er­mitt­lungs­pflicht nicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men ist 31. Erheb­lich für die Reha­bi­li­tie­rungs­ent­schei­dung war hier die Fra­ge, aus wel­chen Grün­den es zu der ers­ten Heim­ein­wei­sung des Beschwer­de­füh­rers in den Jah­ren 1961 oder 1962 gekom­men ist (§ 2 Abs. 1 Satz 1 StrRe­haG i.V.m. § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 2 StrRe­haG). Das hat das Ober­lan­des­ge­richt nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt. Es ist den vom Beschwer­de­füh­rer vor­ge­brach­ten Hin­wei­sen auf sach­frem­de Grün­de nicht unter Aus­nut­zung aller ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel nach­ge­gan­gen, son­dern hat den Grund der Ein­wei­sung des Beschwer­de­füh­rers schon wegen der nicht mehr auf­find­ba­ren Unter­la­gen der Jugend­hil­fe als nicht auf­klär­bar ange­se­hen. Damit hat es dem Beschwer­de­füh­rer die von Rechts­staats wegen gefor­der­te Über­prü­fung erheb­li­cher Tat­sa­chen ver­wei­gert.

Der Beschwer­de­füh­rer hat­te erst­in­stanz­lich die Ver­mu­tung geäu­ßert, dass Aus­lö­ser für sei­ne Heim­ein­wei­sung im Jahr 1961 die zwangs­wei­se Aus­sied­lung sei­nes Vaters in die Bun­des­re­pu­blik im Jah­re 1958/​1959 sowie das ille­ga­le Ver­las­sen der DDR durch einen Bru­der der Mut­ter gewe­sen sein kön­ne. Zwar mag die Beur­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts zutref­fen, der Auf­ent­halt des Vaters des Beschwer­de­füh­rers im Wes­ten habe für sich genom­men den DDR-Behör­den im Jahr 1961 kei­nen Grund für die Befürch­tung gege­ben, dass auch sei­ne Mut­ter in den Wes­ten über­sie­deln woll­te, nach­dem die Ehe nach meh­re­ren erfolg­lo­sen Ver­su­chen 1959 geschie­den wor­den war. Eine Gesamt­schau des Vor­brin­gens des Beschwer­de­füh­rers lässt es aber nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen erschei­nen, dass – wie der Beschwer­de­füh­rer mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gel­tend macht – die Heim­ein­wei­sung mit dem Ziel erfolgt ist, sei­ne Mut­ter unter Kon­trol­le zu hal­ten.

Einen mög­li­chen Anhalt dafür gab der Hin­weis des Beschwer­de­füh­rers auf ein ille­ga­les Ver­las­sen der DDR durch den Bru­der der Mut­ter. Die­ser Vor­trag hät­te das Ober­lan­des­ge­richt ver­an­las­sen müs­sen, auf wei­te­re Anga­ben des Beschwer­de­füh­rers zu dem Zeit­punkt und den nähe­ren Umstän­den der Flucht hin­zu­wir­ken. Hät­te das Ober­lan­des­ge­richt auf die Not­wen­dig­keit der Ergän­zung des ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­trags hin­ge­wie­sen, hät­te der Beschwer­de­füh­rer auch Anlass gehabt, wie nun­mehr im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nach­zu­tra­gen, dass (und wann) ein zwei­ter Bru­der der Mut­ter nach der Schlie­ßung der Ber­li­ner Mau­er einen Grenz­durch­bruch habe erzwin­gen wol­len und des­halb zu meh­re­ren Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den sei.

Zudem dräng­te es sich förm­lich auf, dass die Grün­de für die Heim­ein­wei­sung, die nähe­ren Umstän­de und das dabei beach­te­te Ver­fah­ren durch die Mut­ter oder ande­re Fami­li­en­mit­glie­der des Beschwer­de­füh­rers, die die maß­geb­li­che Zeit als Erwach­se­ne erlebt haben, näher geschil­dert wer­den kön­nen. Es hät­te des­halb nahe­ge­le­gen, dem anwalt­lich nicht ver­tre­te­nen Beschwer­de­füh­rer gemäß § 10 Abs. 2 StrRe­haG auf­zu­ge­ben, sol­che Per­so­nen zu benen­nen und deren Dar­stel­lung bei­zu­brin­gen, sowie gege­be­nen­falls die­se Per­so­nen als Zeu­gen zu ver­neh­men 32.

Einen wei­te­ren Ermitt­lungs­an­halt bot der in dem Antrag auf Ein­wei­sung in den geschlos­se­nen Jugend­werk­hof vom 16.09.1971 ent­hal­te­ne Hin­weis, dass der Beschwer­de­füh­rer vor der ers­ten Heim­ein­wei­sung 1962 in der Medi­zi­ni­schen Aka­de­mie Mag­de­burg begut­ach­tet wor­den sei. Es hät­te nahe­ge­le­gen, die dor­ti­ge Pati­en­ten­ak­te des Beschwer­de­füh­rers bei­zu­zie­hen. Es kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass eine sol­che Akte in ent­spre­chen­den Archi­ven noch auf­be­wahrt wird.

Wenn das Ober­lan­des­ge­richt schließ­lich – wie vom Beschwer­de­füh­rer in der Beschwer­de­schrift bean­tragt – zur Klä­rung der Rol­le der Jugend­hil­fe den Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik ange­hört hät­te, hät­te es mög­li­cher­wei­se die auch von dem Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung vom 07.05.2013 33 hin­sicht­lich einer Heim­ein­wei­sung im Jahr 1961 zugrun­de geleg­ten Erkennt­nis­se gewin­nen kön­nen. Danach sei die Jugend­hil­fe in der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit in Ost­deutsch­land in ihrem Wir­ken der Staats­si­cher­heit ver­gleich­bar gewe­sen und habe seit ihrer Grün­dung im Jahr 1950 eng mit die­ser zusam­men­ge­ar­bei­tet. Sie sei ent­ge­gen ihrer Bezeich­nung kein Instru­ment der Jugend­wohl­fahrt oder ‑hil­fe, son­dern eines der Ein­schüch­te­rung gewe­sen. Es habe eine Durch­mi­schung von geheim­dienst­li­cher und sozi­al­po­li­ti­scher Tätig­keit gege­ben, die im Jar­gon der Staats­si­cher­heit als "poli­tisch-ope­ra­ti­ve Zusam­men­ar­beit" bezeich­net und durch will­fäh­ri­ge Mit­ar­bei­ter sowohl in der Jugend­hil­fe als auch im Woh­nungs­we­sen rea­li­siert wor­den sei 34. Dabei sei die künst­li­che Her­bei­füh­rung unhalt­ba­rer Zustän­de zum Zwe­cke der Her­aus­lö­sung von Kin­dern aus Fami­li­en (etwa durch Ver­knap­pung von Wohn­raum) kei­ne Sel­ten­heit und Aus­druck poli­ti­scher Ver­fol­gung gewe­sen. Ins­be­son­de­re in Fäl­len, in denen Eltern – etwa weil sich vor­läu­fig nicht genü­gend Belas­ten­des gegen sie hat­te fin­den las­sen – nicht ver­haf­tet wor­den sei­en, sei­en sie dadurch an ihrer "schwächs­ten Stel­le", ihren Kin­dern, getrof­fen wor­den.

Auf der Grund­la­ge die­ser Erkennt­nis­se hät­te es sodann nahe gele­gen zu klä­ren, ob die Mut­ter des Beschwer­de­füh­rers und ande­re in Betracht kom­men­de Zeu­gen aus der Fami­lie des Beschwer­de­füh­rers mit der Anfor­de­rung und Sich­tung ihrer bei den Beauf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR (mög­li­cher­wei­se) vor­han­de­nen Unter­la­gen ein­ver­stan­den sind, ob sol­che exis­tie­ren und ob sich aus ihnen Hin­wei­se auf sach­frem­de Grün­de für eine Heim­ein­wei­sung des Beschwer­de­füh­rers erge­ben. Dies dräng­te sich auch des­halb auf, weil es – wie der Beschwer­de­füh­rer zu Recht gel­tend macht – nur schwer nach­voll­zieh­bar ist, dass die Schwie­rig­kei­ten sei­ner allein­er­zie­hen­den Mut­ter, für ihn bis zu ihrem Arbeits­en­de eine Betreu­ung zu fin­den, nicht anders als durch eine vor­zei­ti­ge Ein­schu­lung des laut der gesund­heit­li­chen Begut­ach­tung vom 28.04.1961 moto­risch sehr unru­hi­gen, gleich­wohl – ein Jahr ver­früht – als voll schul­fä­hig beur­teil­ten Kin­des hät­ten gelöst wer­den kön­nen und dass es sodann bereits kur­ze Zeit spä­ter zu so erheb­li­chen Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten gekom­men sein soll, dass eine Begut­ach­tung in der Psych­ia­trie und eine – gegen den Wil­len der Mut­ter erfolg­te – Heim­ein­wei­sung erfor­der­lich gewor­den sein sol­len 35. Bereits das Kam­mer­ge­richt hat in sei­nem den Beschwer­de­füh­rer betref­fen­den Beschluss vom 15.12 2004 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in kei­ner Wei­se ersicht­lich sei, wes­halb es erfor­der­lich gewe­sen sein soll, ihn ihm Alter von sie­ben Jah­ren gegen den Wil­len sei­ner erzie­hungs­be­rech­tig­ten Mut­ter in einem Kin­der­heim unter­zu­brin­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2014 – 2 BvR 2782/​10

  1. BVerfG, Beschluss vom 13.05.2009 – 2 BvR 718/​08[]
  2. OLG Naum­burg, Beschluss vom 22.10.2010 – 2 Ws Reh 8/​10[]
  3. Gesetz über die Reha­bi­li­tie­rung und Ent­schä­di­gung von Opfern rechts­staats­wid­ri­ger Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­men in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 17.12 1999, BGBl I S. 2664[]
  4. stRspr; BVerfGE 89, 1, 13 f.; 96, 189, 203[]
  5. Wen­de, in: Herzler/​Ladner/​Peifer/​Schwarze/​Wende, Reha­bi­li­tie­rung, 2. Aufl.1997, § 13 StrRe­haG Rn. 22 f.[]
  6. Engel­hardt, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 6. Aufl.2008, § 309 Rn. 10 und Mey­er-Goß­ner, StPO, 53. Aufl.2010, § 309 Rn. 6[]
  7. vgl. BGHSt 23, 79, 82; KG, Beschluss vom 03.12 1997 – 1 AR 1480/​97, StV 1998, S. 384; Zabeck, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 7. Aufl.2013, § 309 Rn. 10; Scheu­ten, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 7. Aufl.2013, § 16 Rn. 5[]
  8. vgl. KG, Beschluss vom 03.12 1997 – 1 AR 1480/​97, StV 1998, S. 384; Zabeck, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur Straf­pro­zess­ord­nung, 7. Aufl.2013, § 309 Rn. 10[]
  9. vgl. BT-Drs. 12/​1608, S.20[]
  10. vgl. Bruns, in: Bruns/​Schröder/​Tappert, StrRe­haG, 1993, § 8 Rn. 18; Herz­ler, in: Herzler/​Ladner/​Peifer/​Schwarze/​Wende, Reha­bi­li­tie­rung, 2. Aufl.1997, § 8 StrRe­haG Rn. 7[]
  11. BGBl I S. 2664[]
  12. Schwar­ze, in: Herzler/​Ladner/​Peifer/​Schwarze/​Wende, Reha­bi­li­tie­rung, 2. Aufl.1997, § 2 StrRe­haG Rn. 3[]
  13. BGBl I S. 562, 569, Bun­des­ent­schä­di­gungs­ge­setz – BEG[]
  14. BT-Drs. 12/​4994, S. 53[]
  15. BSG, Urteil vom 27.04.1967 – 4 RJ 193/​66 25[]
  16. BSG, a.a.O., Rn. 21[]
  17. vgl. BSG, a.a.O., Rn. 21 ff.[]
  18. vgl. OLG Naum­burg, Beschluss vom 05.12 1995 – 1 Ws Reh 185/​95 7 ff.; KG, Beschluss vom 06.03.2007 – 2/​5 Ws 246/​06 REHA 4 m.w.N.; Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 21.07.2008 – 1 Ws Reha 10/​08 zur Unter­brin­gung in einem Jugend­werk­hof, Rn.19, sowie einem "geschlos­se­nen" Durch­gangs­heim mit fest­ge­leg­tem Tages­ab­lauf, Rn. 13[]
  19. vgl. KG, Beschluss vom 09.09.2010 – 2 Ws 351/​09 REHA 2 ff., 18, Kin­der­heim­auf­ent­halt eines 13jährigen Kin­des nach (Aus­rei­se-)Demons­tra­ti­on und Ver­haf­tung der Eltern; OLG Dres­den, Beschluss vom 16.09.2010 – 1 Reha Ws 135/​10 Heim­ein­wei­sung eines Kin­des, um den Vater zur Rück­kehr in die Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik zu bewe­gen; vgl. auch BT-Drs. 17/​3233, S. 7; Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 17.01.2012 – 1 Ws Reha 50/​11 32 f.; Müt­zel, ZOV 2013, S. 98, 100[]
  20. Der letz­te Schliff, Jugend­hil­fe der DDR im Dienst der Dis­zi­pli­nie­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen, 1945 – 1989, Schwe­rin 2010, S. 103 f.; vgl. auch Wap­ler, Rechts­fra­gen der Heim­erzie­hung in der DDR, in: Auf­ar­bei­tung der Heim­erzie­hung in der DDR, Exper­ti­se 1, S. 80 – 84[]
  21. vgl. BSG, a.a.O., Rn. 28[]
  22. vgl. Thü­rO­LG, Beschluss vom 17.01.2012 – 1 Ws Reha 50/​11 25 f. unter Ver­weis auf die Geset­zes­be­grün­dung BT-Drs. 12/​4994, S. 53; Müt­zel, ZOV 2013, S. 98, 100[]
  23. BVerfG, Beschluss vom 03.05.1995 – 2 BvR 1023/​9419[]
  24. BVerfG, Beschluss vom 03.05.1995 – 2 BvR 1023/​9420[]
  25. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.05.1995 – 2 BvR 1023/​9420; Herz­ler, in: Herzler/​Ladner/​Peifer/​Schwarze/​Wende, Reha­bi­li­tie­rung, 2. Aufl.1997, § 10 StrRe­haG Rn. 5, Rn. 8 a.E.[]
  26. BVerfGK 4, 119, 129 zu einer Reha­bi­li­tie­rung wegen einer Ein­wei­sung in die Psych­ia­trie[]
  27. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.05.1995 – 2 BvR 1023/​9420[]
  28. vgl. Herz­ler, in: Herzler/​Ladner/​Peifer/​Schwarze/​Wende, Reha­bi­li­tie­rung, 2. Aufl.1997, § 10 StrRe­haG Rn. 7[]
  29. vgl. Herz­ler, a.a.O., § 10 StrRe­haG Rn. 10[]
  30. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.02.2000 – 2 BvR 1601/​94 2[]
  31. vgl. BVerfGK 4, 119, 130[]
  32. vgl. auch VerfGH Ber­lin, Beschluss vom 24.09.2013 – VerfGH 172/​11 13, 16; KG, Beschluss vom 21.11.2013 – 2 Ws 177/​11 REHA, 2 Ws 491/​13 REHA[]
  33. Thü­rO­LG, Beschluss vom 07.05.2013 – 1 Ws Reha 3/​13 21[]
  34. vgl. auch Sach­se, Der letz­te Schliff, Jugend­hil­fe der DDR im Dienst der Dis­zi­pli­nie­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen (1945 – 1989), Schwe­rin 2010, S. 133, 136, sowie die den Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te Dres­den vom 16.09.2010 – 1 Reha Ws 135/​10, juris und des Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richts vom 12.06.2012 – 1 Ws Reha 52/​11 zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­hal­te[]
  35. vgl. auch Thü­rO­LG, Beschluss vom 12.06.2012 – 1 Ws Reha 52/​11 21[]