Han­dels­re­gis­ter­ver­fah­ren – und die Rechts­be­schwer­de des zuvor nicht betei­lig­ten Gesellschafters

Die Zuläs­sig­keit einer Rechts­be­schwer­de hängt, eben­so wie die Zuläs­sig­keit einer (Erst-)Beschwerde, von einer Beschwer­de­be­rech­ti­gung des Rechts­mit­tel­füh­rers ab. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat von Amts wegen zu prü­fen, ob die Beschwer­de­be­rech­ti­gung vor­liegt1.

Han­dels­re­gis­ter­ver­fah­ren – und die Rechts­be­schwer­de des zuvor nicht betei­lig­ten Gesellschafters

Rechts­be­schwer­de­füh­rer sind durch die Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts nicht for­mell beschwert, wenn sie die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts – Regis­ter­ge­richt – nicht ange­foch­ten haben2.

Ist die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung nur von einem ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ange­grif­fen wor­den, setzt die Beschwer­de­be­rech­ti­gung für die Rechts­be­schwer­de daher eine mit der Beschwer­de­ent­schei­dung ver­bun­de­ne mate­ri­el­le Beschwer des Rechts­be­schwer­de­füh­rers voraus.

Die­se liegt grund­sätz­lich nur dann vor, wenn die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung auf die Beschwer­de eines ande­ren Betei­lig­ten abge­än­dert oder auf­ge­ho­ben wor­den und der Rechts­be­schwer­de­füh­rer dadurch in einem sub­jek­ti­ven Recht betrof­fen ist (§ 59 Abs. 1FamFG; BGH, Beschluss vom 13.04.2016 – XII ZB 44/​14, FamRZ 2016, 1062 Rn. 8; Kei­del/­Mey­er-Holz, FamFG, 20. Aufl., § 74 Rn. 6; MünchKommFamFG/​Fischer, 3. Aufl., § 70 Rn. 53). Die Beschwer­de­ent­schei­dung muss eine Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung zu Unguns­ten des am Beschwer­de­ver­fah­ren nicht Betei­lig­ten ent­hal­ten3.

Der am Beschwer­de­ver­fah­ren nicht Betei­lig­te kann sei­ne Beschwer­de­be­rech­ti­gung für die Rechts­be­schwer­de daher nicht allein dar­auf stüt­zen, dass eine mit einem als unrich­tig gerüg­ten Ein­griff in sei­ne Rechts­stel­lung ver­bun­de­ne, aber nicht mit einer eige­nen Erst­be­schwer­de ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung des Amts­ge­richts bereits auf die von einem ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein­ge­leg­te Beschwer­de hin hät­te kor­ri­giert wer­den müs­sen4.

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Heilung von Beschlussfehlern

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2020 – II ZB 26/​19

  1. BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – XII ZB 695/​14, FamRZ 2016, 120 Rn. 9; Beschluss vom 13.04.2016 – XII ZB 44/​14, FamRZ 2016, 1062 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.04.2016 – XII ZB 44/​14, FamRZ 2016, 1062 Rn. 7[]
  3. BGH, Urteil vom 09.10.1951 – V BLw 30/​50, BGHZ 3, 214, 215; Beschluss vom 21.05.1980 – IVb ZB 580/​80, NJW 1980, 1960, 1961; Beschluss vom 14.03.1984 – IVb ZB 170/​82, NJW 1984, 2414; Zöller/​Feskorn, ZPO, 33. Aufl., § 70 FamFG Rn. 14[]
  4. BGH, Beschluss vom 13.04.2016 – XII ZB 44/​14, FamRZ 2016, 1062 Rn. 9[]

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