Ver­ur­tei­lung zur Ertei­lung einer Aus­ein­an­der­set­zungs- und Abfin­dungs­bi­lanz – und die Beschwer

Die zur Beschwer bei Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für die Ver­ur­tei­lung zur Erstel­lung einer Aus­ein­an­der­set­zungsund Abfin­dungs­bi­lanz [1].

Ver­ur­tei­lung zur Ertei­lung einer Aus­ein­an­der­set­zungs- und Abfin­dungs­bi­lanz – und die Beschwer

Im Fal­le der Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­ur­tei­lung zur Ertei­lung einer Aus­kunft ist für die Bemes­sung der Beschwer nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die Erfül­lung des titu­lier­ten Anspruchs erfor­dert, sowie auf etwai­ge Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen des Ver­ur­teil­ten, nicht aber auf den Wert des Aus­kunfts­an­spruchs.

Gegen­stand des Rechts­mit­tels des zur Aus­kunft Ver­ur­teil­ten ist das Ziel, kei­ne Aus­kunft ertei­len zu müs­sen. Hat sein dahin­ge­hen­der Antrag Erfolg, spart er die Kos­ten, die mit der Aus­kunfts­er­tei­lung ver­bun­den sind.

Allein die­se Kos­ten­er­spar­nis zuzüg­lich des Werts eines etwai­gen Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist Grund­la­ge für die Fest­set­zung des Werts der Beschwer. Das etwa dane­ben bestehen­de Inter­es­se des Ver­ur­teil­ten, die Durch­set­zung des Haupt­an­spruchs zu ver­hin­dern, geht über den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Ent­schei­dung hin­aus und hat des­halb außer Betracht zu blei­ben [2].

Die­se zur Aus­kunfts­er­tei­lung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für die Ver­ur­tei­lung zur Erstel­lung einer Aus­ein­an­der­set­zungsund Abfin­dungs­bi­lanz [3].

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen hat der Beklag­te in der hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de eine den Wert von 20.000 € über­stei­gen­de Beschwer nicht glaub­haft gemacht:

Der Beklag­te macht gel­tend, dass zur Erstel­lung der Aus­ein­an­der­set­zungsund Abfin­dungs­bi­lanz zwi­schen 1.800 und 1.900 Hand­ak­ten der Anwalts­so­zie­tät aus­zu­wer­ten wären, was einen Zeit­auf­wand von gut 308 Stun­den erfor­de­re. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten kann für eine Aus­wer­tungs­stun­de aber nicht der nied­rigs­te Stun­den­satz für die Ent­schä­di­gung eines Sach­ver­stän­di­gen nach § 9 JVEG von 65 € ange­setzt wer­den. Viel­mehr ist auch inso­weit allein der Maxi­mal­be­trag von 21 € pro Stun­de ent­spre­chend der Bestim­mung für Zeu­gen in § 22 JVEG anzu­set­zen.

Per­so­nal­kos­ten, die für die Aus­kunfts­er­tei­lung für den Ein­satz eige­ner Mit­ar­bei­ter anfal­len, eben­so wie die eige­nen Auf­wen­dun­gen des Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten, kön­nen grund­sätz­lich nur nach Maß­ga­be der Stun­den­sät­ze ange­setzt wer­den, die Mit­ar­bei­ter nach dem JVEG als Zeu­gen in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­den [4].

Ein höhe­rer Stun­den­satz käme nur in Betracht, wenn es sich bei der gefor­der­ten Schluss­ab­rech­nung um eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung han­deln wür­de oder ein ent­spre­chen­der Ver­dienst­aus­fall vor­lä­ge [5].

So ver­hielt es sich im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht. Die Bilan­zie­rungs­ver­pflich­tung ist gesell­schafts­ver­trag­lich begrün­det. Sie stellt kei­ne typi­sche rechts­an­walt­li­che Bera­tungs­leis­tung im Ver­hält­nis der Par­tei­en zuein­an­der dar [6]. Ver­dienst­aus­fall macht der Beklag­te zu 2 nicht gel­tend. Es kann daher auf sich beru­hen, ob die Aus­wer­tung der Viel­zahl der Sozie­täts­ak­ten noch voll­um­fäng­lich in der Frei­zeit erfol­gen kann, wovon im Regel­fall der Aus­kunfts­er­tei­lung aus­zu­ge­hen ist [7]. Davon abge­se­hen hat der Beklag­te zu 2 auch nicht dar­ge­legt, dass ein etwai­ger Ver­dienst­aus­fall nicht, wie nahe­liegt, durch die Über­tra­gung der Aus­wer­tungs­ar­bei­ten auf Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te begrenzt wer­den kann. Es ist nicht dar­ge­legt, dass deren Brut­to­stun­den­ver­dienst den Maxi­mal­be­trag von 21 € nach § 22 JVEG erheb­lich über­steigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2019 – II ZR 140/18Auskunftsanspruch,Auskunftsurteil,Auskunft, Beschwer,Auseinandersetzungsbilanz,Abfindungsbilanz,Bilanzierung,Zeugenentschädigung,Bundesgerichtshof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2019 – II ZR 140/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 08.06.2009 – II ZR 207/​08, Rn. 7[]
  2. st. Rspr., sie­he nur BGH, Beschluss vom 24.11.1994 GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85, 87 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 08.06.2009 – II ZR 207/​08 7[]
  4. BGH, Beschluss vom 19.02.2019 – II ZR 376/​17, Rn. 5 mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 01.10.2008 – IV ZB 27/​07, NJW-RR 2009, 80 Rn. 14; Beschluss vom 17.12 2003 – IV ZR 28/​03, WM 2004, 2128, 2130[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 19.02.2019 – II ZR 376/​17 6[]
  7. BGH, Beschluss vom 11.03.2015 XII ZB 317/​14, NJW-RR 2015, 1153 Rn. 17 mwN[]