Wer­be­ab­ga­ben für die Wein­wirt­schaft

Win­zer und Kel­le­rei­en müs­sen Abga­be für Wein­wer­bung zah­len, die Abga­ben für den Deut­schen Wein­fonds und für die Gebiets­wein­wer­bung sind ver­fas­sungs­ge­mäß. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz ver­sucht damit erneut [1], den Deut­schen Wein­fonds zu ret­ten und ihn gegen die bei­den ande­ren, eben­falls mit ver­pflich­ten­den Abga­ben der land­wirt­schaft­li­chen Pro­du­zen­ten finan­zier­ten und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bereits für ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuf­ten Absatz­fonds – den Absatz­fonds der Land- und Ernäh­rungs­wirt­schaft (CMA-Abga­be) [2] und den Holz­ab­satz­fonds [3] – abzu­gren­zen.

Wer­be­ab­ga­ben für die Wein­wirt­schaft

Der Deut­sche Wein­fonds ist eine Gemein­schafts­ein­rich­tung der deut­schen Wein­wirt­schaft. Er hat die Auf­ga­be, zur För­de­rung der Qua­li­tät und des Absat­zes deut­scher Wei­ne Mar­ke­ting­maß­nah­men im In- und Aus­land durch­zu­füh­ren; fer­ner obliegt ihm die Unter­stüt­zung der wis­sen­schaft­li­chen Wein­for­schung und der Schutz deut­scher Wein­be­zeich­nun­gen im In- und Aus­land. Dane­ben exis­tie­ren in den Anbau­ge­bie­ten des Lan­des Rhein­land-Pfalz Ein­rich­tun­gen zur beson­de­ren För­de­rung der im jewei­li­gen Gebiet erzeug­ten Wei­ne. Zur Erfül­lung die­ser Auf­ga­ben müs­sen Win­zer und Kel­le­rei­en nach dem Wein­ge­setz Abga­ben an den Deut­schen Wein­fonds ent­rich­ten. Zusätz­lich wer­den die rhein­land-pfäl­zi­schen Win­zer nach dem Lan­des­ab­satz­för­de­rungs­ge­setz Wein zu einer Son­der­ab­ga­be für die jewei­li­ge Gebiets­wein­wer­bung her­an­ge­zo­gen. Die Abga­ben der kla­gen­den Win­zer betra­gen meh­re­re hun­dert Euro pro Jahr, die der Kel­le­rei­en zum Teil knapp 120.000 € pro Quar­tal. Die hier­ge­gen erho­be­nen Kla­gen haben die Ver­wal­tungs­ge­rich­te Mainz und Neu­stadt a. d. Wein­stra­ße abge­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dun­gen.

Die Rechts­grund­la­gen für die Erhe­bung der Abga­ben genü­gen nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem CMA-Urteil zur Abga­be für die Cen­tra­le Mar­ke­ting-Gesell­schaft der deut­schen Agrar­wirt­schaft (CMA) im Febru­ar 2009 [2] auf­ge­stellt hat. Mit den Eigen­tü­mern und sons­ti­gen Nut­zungs­be­rech­tig­ten von Wein­bau­flä­chen sowie den Kel­le­rei­en habe der Gesetz­ge­ber als Abga­ben­pflich­ti­ge die­je­ni­gen erfasst, die auch nach Auf­fas­sung der EU-Kom­mis­si­on von der Natur der Sache her das stärks­te Inter­es­se an der Ver­mark­tung deut­scher Wei­ne hät­ten. Die erfass­te Grup­pe erwei­se sich nach Ein­schät­zung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz auch als hin­rei­chend homo­gen, wenn auch nicht alle Mit­glie­der in glei­chem Maße von den Mar­ke­ting­maß­nah­men pro­fi­tier­ten. Außer­dem tref­fe die Abga­ben­pflich­ti­gen eine beson­de­re Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung für die Arbeit des Deut­schen Wein­fonds und der Gebiets­wein­wer­bung, da sie von deren Tätig­kei­ten den ver­fas­sungs­recht­lich erfor­der­li­chen greif­ba­ren Grup­pen­nut­zen hät­ten.

Der Wein­fonds und die Trä­ger der Gebiets­wein­wer­bung hät­ten die Not­wen­dig­keit der vom Gesetz­ge­ber ange­ord­ne­ten staat­lich orga­ni­sier­ten För­der­maß­nah­me mit der ver­gleichs­wei­se gerin­gen Markt­stär­ke der deut­schen Wein­wirt­schaft sowohl auf dem Inlands­markt als auch auf den wich­ti­gen Export­märk­ten plau­si­bel begrün­det. Mehr als eine plau­si­ble Begrün­dung habe das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht ver­langt und kön­ne wegen der kom­ple­xen Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge auf dem Wein­markt auch nicht ver­langt wer­den. Die vor­ge­leg­ten Sta­tis­ti­ken über die Wein­prei­se im inlän­di­schen Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del und Wein­fach­han­del sowie auf den für deut­sche Wei­ne wich­ti­gen Export­märk­ten (Groß­bri­tan­ni­en, Nie­der­lan­de, USA) hät­ten hin­rei­chend belegt, dass die deut­sche Wein­wirt­schaft im Ver­hält­nis zu ver­gleich­ba­ren Pro­duk­ten aus ande­ren Wein­bau­län­dern wei­ter­hin benach­tei­ligt sei.

Die­se Markt­schwä­che kön­ne von den Abga­be­pflich­ti­gen auch nicht gleich erfolg­reich kom­pen­siert wer­den. Ange­sichts der klein­tei­li­gen Betriebs­struk­tur der deut­schen Wein­wirt­schaft sei eine ver­gleich­bar effek­ti­ve Absatz­för­de­rung wie sei­tens des Deut­schen Wein­fonds durch die Win­zer selbst oder durch frei­wil­li­ge pri­va­te Zusam­men­schlüs­se nicht zu erwar­ten. Gera­de die Durch­füh­rung lang­fris­ti­ger Wer­be­kam­pa­gnen ver­lan­ge ein kon­ti­nu­ier­li­ches Mit­tel­auf­kom­men, das durch die staat­lich orga­ni­sier­te För­de­rung gesi­chert sei. Die pro­dukt­be­zo­ge­ne Wer­bung der Kel­le­rei­en stel­le kein gleich wirk­sa­mes Mit­tel zur För­de­rung der deut­schen Wein­wirt­schaft dar. Des Wei­te­ren lägen hin­rei­chen­de Bele­ge für die Geeig­net­heit und den Erfolg der För­der­maß­nah­men des Deut­schen Wein­fonds vor.

Ange­sichts der Höhe der Son­der­ab­ga­ben (weni­ger als 1 Cent pro Liter Wein) sei die dadurch bewirk­te Ein­schrän­kung der Berufs­aus­übungs­frei­heit auch ver­hält­nis­mä­ßig. Schließ­lich sei die mit der Son­der­ab­ga­be finan­zier­te Absatz­för­de­rung für deut­schen Wein auch mit euro­päi­schem Recht ver­ein­bar.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urtei­le vom 8. Dezem­ber 2010 – 8 A 10282/​10.OVG, 8 A 10927/​10.OVG u.a.

  1. OVG RLP, Urteil vom 15.09.2010 – 8 A 10246/​10.OVG[]
  2. BVerfG, Urteil vom 03.02.2009 – 2 BvL 54/​06[][]
  3. BVerfG, Beschluss vom 12.05.2009 – 2 BvR 743/​01[]