Gold­fin­ger-Model­le – gewerb­li­che Ver­lust durch Gold­an­kauf

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in zwei Urteil die als „Gold­fin­ger-Model­le” bekannt gewor­de­nen Gestal­tun­gen akzep­tiert, bei denen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten durch den Ankauf phy­si­schen Gol­des Ver­lus­te aus Gewer­be­be­trieb erzie­len. Die­se Gestal­tun­gen füh­ren, wie der Bun­des­fi­nanz­hof nun bestä­tigt hat, bei den Gesell­schaf­tern zu Steu­er­vor­tei­len, wenn kein sog. Steu­er­stun­dungs­mo­dell vor­liegt.

Gold­fin­ger-Model­le – gewerb­li­che Ver­lust durch Gold­an­kauf
  • Bei der inlands­be­zo­ge­nen Gestal­tung (inlän­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft – „Inlands­fall”)1 tritt typi­scher­wei­se ein „Steu­er­stun­dungs­ef­fekt” ein. Die­ser Effekt ent­steht dadurch, dass die Anschaf­fungs­kos­ten für das Gold als sofort abzieh­ba­re Betriebs­aus­ga­ben zu einem gewerb­li­chen Ver­lust füh­ren, der mit bzw. von ande­ren posi­ti­ven Ein­künf­ten der Gesell­schaf­ter aus­ge­gli­chen bzw. abge­zo­gen wer­den kann.
  • Bei der aus­lands­be­zo­ge­nen Gestal­tung (aus­län­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft – „Aus­lands­fall”)2 kommt es typi­scher­wei­se zu einer end­gül­ti­gen Redu­zie­rung der Ein­kom­men­steu­er­be­las­tung. Dies ist eine Fol­ge des durch die aus­län­di­schen Ver­lus­te ggf. bis auf Null redu­zier­ten Steu­er­sat­zes (sog. nega­ti­ver Pro­gres­si­ons­vor­be­halt), dem durch den Ver­kauf des Gol­des in einem spä­te­ren Jahr regel­mä­ßig kei­ne oder nur eine gerin­ge Steu­er­satz­stei­ge­rung gegen­über­steht.

Die Gestal­tun­gen basie­ren (ver­kürzt dar­ge­stellt) dar­auf, dass die Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten durch den An- und Ver­kauf phy­si­schen Gol­des eine gewerb­li­che Tätig­keit aus­üben, sie ihren Gewinn durch eine Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung ermit­teln dür­fen und sie dabei die Anschaf­fungs­kos­ten für das als Umlauf­ver­mö­gen zu qua­li­fi­zie­ren­de Gold sofort als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend machen kön­nen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof bestäig­te nun sowohl im Inlands­fall wie im Aus­lands­fall die Urtei­le der Vor­in­stan­zen, wonach im Inlands­fall u.a. ent­spre­chen­de Ver­lus­te (nega­ti­ve Ein­künf­te) aus Gewer­be­be­trieb und im Aus­lands­fall ent­spre­chen­de nega­ti­ve Pro­gres­si­ons­ein­künf­te fest­zu­stel­len sind. Er ent­schied im Inlands­fall, dass eine gewerb­lich gepräg­te Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. des § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG, die nur kraft Fik­ti­on gewerb­li­che Ein­künf­te erzielt, Umlauf­ver­mö­gen haben kann. Im Aus­lands­fall ent­schied er, dass auf den An- und Ver­kauf von phy­si­schem Gold die Grund­sät­ze des Wert­pa­pier­han­dels nicht über­trag­bar sind; er bejah­te auf­grund der Beson­der­hei­ten des Gold­han­dels einen Gewer­be­trieb i.S. des § 15 Abs. 2 EStG. Zu bei­den Fäl­len führ­te er aus, dass die Auf­wen­dun­gen im Rah­men der Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung für die Anschaf­fung der Gold­bar­ren nicht nach § 4 Abs. 3 Satz 4 Vari­an­ten 1 oder 3 EStG vom sofor­ti­gen Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug aus­ge­schlos­sen sind.

Aller­dings ist der Gesetz­ge­ber zwi­schen­zeit­lich gegen der­ar­ti­ge Gestal­tun­gen vor­ge­gan­gen. Er hat für Inlands­fäl­le dem § 15b EStG einen Absatz 3a ange­fügt. Danach liegt unter den dort näher genann­ten Vor­aus­set­zun­gen ein Steu­er­stun­dungs­mo­dell i.S. des § 15b EStG vor. Ver­lus­te hier­aus kön­nen nicht mehr mit bzw. von ande­ren posi­ti­ven Ein­künf­ten aus­ge­gli­chen bzw. abge­zo­gen wer­den, son­dern sind nur noch mit künf­ti­gen Gewin­nen aus der­sel­ben Ein­kunfts­quel­le ver­re­chen­bar (erst­mals anwend­bar auf Model­le, bei denen Wirt­schafts­gü­ter des Umlauf­ver­mö­gens nach dem 28. Novem­ber 2013 ange­schafft, her­ge­stellt oder in das Betriebs­ver­mö­gen ein­ge­legt wur­den). Für Aus­lands­fäl­le hat er zum einen die Vor­schrift des § 32b Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 Buch­sta­be c EStG ein­ge­fügt, die bei Ermitt­lung des anzu­wen­den­den Ein­kom­men­steu­er­sat­zes einen sofor­ti­gen Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug ver­hin­dert (erst­mals anwend­bar auf Wirt­schafts­gü­ter des Umlauf­ver­mö­gens, die nach dem 28. Febru­ar 2013 ange­schafft, her­ge­stellt oder in das Betriebs­ver­mö­gen ein­ge­legt wur­den). Zum ande­ren hat er § 32b Abs. 1 Satz 3 EStG um die –in allen offe­nen Fäl­len anwend­ba­re– Rege­lung ergänzt, dass § 15b EStG sinn­ge­mäß anzu­wen­den ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 19. Janu­ar 2017 – IV R 10/​14 und IV R 50/​14

  1. BFH, Urteil vom 19.01.2017 – IV R 10/​14
  2. BFH, Urteil vom 19.01.2017 – IV R 50/​14