Ban­ken arbei­ten kos­ten­los – zumin­dest fürs Finanz­amt

Ban­ken arbei­ten bekannt­lich für umsonst. Ins­be­son­de­re dann, wenn sie für's Finanz­amt arbei­ten. Und dass das so ist, hat jetzt das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz einer Bank ins Stamm­buch geschrie­ben, die vom Finanz­amt einen Aus­la­gen­er­satz von 18,90 € für die bei Vor­la­ge von Kon­to­aus­zü­gen eines Kun­den begehr­te.

Ban­ken arbei­ten kos­ten­los – zumin­dest fürs Finanz­amt

Dem Finanz­amt ist vom Gesetz­ge­ber in bestimm­ten Fäl­len die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wor­den, bestimm­te Bank­da­ten von steu­er­pflich­ti­gen Kon­ten­in­ha­bern abzu­fra­gen. Strei­tig in die­sem jetzt vom Finanz­ge­richt in Neu­stadt an der Wein­stra­ße ent­schie­de­nen Rechts­streit war nun, ob die Bank vom Finanz­amt ver­lan­gen kann, die­je­ni­gen Kos­ten zu erset­zen, die ihr selbst durch eine Kon­ten­stands­ab­fra­ge ent­stan­den waren.

Nach den Ter­ror­an­schlä­gen vom 9.11. war bei der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht eine Datei ein­ge­rich­tet wor­den, in der von den in Deutsch­land täti­gen Ban­ken sämt­li­che Kon­ten und Depots sowie die hier­zu bestehen­den Unter­schrifts­voll­mach­ten zu mel­den sind. Die­se – zunächst selbst­ver­ständ­lich nur zur Bekämp­fung der Geld­strö­me des inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus ange­leg­te – Datei kann inzwi­schen auch vom Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern abge­fragt wer­den, das hier­aus den Finanz­äm­tern und bestimm­ten Sozi­al­be­hör­den Aus­künf­te erteilt.

So auch im Streit­fall: Das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern hat­te dem Finanz­amt auf des­sen Anfra­ge hin drei Kon­to­num­mern eines bestimm­ten Steu­er­pflich­ti­gen mit­ge­teilt. Unter Anga­be die­ser Kon­to­num­mern bat das Finanz­amt nun die Bank – eine Groß­bank – um Vor­la­ge (evtl. Kopi­en) der Kon­to­aus­zu­üge bzw. Depot­aus­zü­ge die­ses Steu­er­pflich­ti­gen. Die­sem Ersu­chen kam die Bank nach und stell­te dem Finanz­amt dafür 18,90 € (eine Arbeits­stun­de à 17.- €, 2 Kopi­en à 0,50 € und Por­to­kos­ten von 0,90 €) in Rech­nung.

Das Finanz­amt lehnt eine Kos­ten­er­stat­tung jedoch ab mit der Begrün­dung. eine Ent­schä­di­gung wer­de nach den Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung nur Per­so­nen gewährt, die als Aus­kunfts­pflich­ti­ge her­an­ge­zo­gen wor­den sei­en; für Per­so­nen, die nur als Vor­la­ge­ver­pflich­te­te her­an­ge­zo­gen wor­den sei­en, gel­te das nicht.

Gegen die­sen Ableh­nungs­be­scheid klag­te nun die Bank vor dem Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz mit der Begrün­dung, das Anfor­de­rungs­schrei­ben des Finanz­am­tes sei einer­seits als Aus­kunfts­er­su­chen bezeich­net wor­den; ande­rer­seits habe die­ses Ersu­chen ledig­lich die Anga­ben von Kon­to­num­mern und nicht die Bank­leit­zah­len ent­hal­ten. Daher habe erst ermit­telt wer­den müs­sen, wel­che Filia­le gemeint gewe­sen sei, was wie­der­um den Arbeits­auf­wand ver­ur­sacht habe. Zudem sei­en die Vor­aus­set­zun­gen eines (ent­schä­di­gungs­lo­sen) Vor­la­ger­su­chens zur Vor­la­ge von Urkun­den nicht gege­ben, weil Kon­to­aus­zü­ge kei­ne Urkun­den sei­en.

Die Finanz­rich­ter von der Wein­stra­ße waren über die­se Kla­ge wohl wenig erfreut, denn – so der Ori­gi­nal­ton des Finanz­ge­richts in einer Mit­tei­lung über die­ses Ver­fah­ren – "wegen eines ver­gleichs­wei­se gering­fü­gi­gen Betra­ges in Höhe von 18,90 € muss­te sich das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz mit kom­pli­zier­ten Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung und ande­ren öffent­lich-recht­li­chen Erstat­tungs­an­sprü­chen aus­ein­an­der­set­zen". Ob es wirk­lich nur um einen sol­chen klei­nen Betrag ging? Nun ja, die Bank dürf­te nicht nur die eine Anfra­ge eines Finanz­am­tes bekom­men haben…

Jeden­falls hat­te die Bank auch vor dem Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz kei­nen Erfolg, das Finanz­ge­richt wies die Kla­ge ab. Es sei, so das Finanz­ge­richt, nicht ent­schei­dend, dass das Ersu­chen unzu­tref­fen­der­wei­se als Aus­kunfts­er­su­chen bezeich­net wor­den sei. Auf die for­ma­le Bezeich­nung kom­me es nicht an, wenn – wie hier – das tat­säch­li­che Ver­lan­gen nur auf die Vor­la­ge der Kon­to­aus­zü­ge gerich­tet gewe­sen sei. Damit sei die Bank nur als Vor­la­ge­ver­pflich­te­te her­an­ge­zo­gen wor­den und es bestehe kei­ne Ent­schä­di­gungs­ver­pflich­tung. Auch der Umstand, dass nur die Kon­ten­num­mern ohne die zuge­hö­ri­ge Bereich­num­mer (=Fili­al­num­mer) vom Finanz­amt (über das Bun­des­zen­tral­amt) benannt wor­den sei­en, recht­fer­ti­ge es nicht, der Bank einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch zuzu­ge­ste­hen. Die Bank sei näm­lich zunächst selbst ver­pflich­tet, dem Bun­des­zen­tral­amt die Kon­to­num­mern voll­stän­dig mit­zu­tei­len, sodass unvoll­stän­di­ge Vor­la­ge­er­su­chen nicht auf die Finanz­ver­wal­tung zurück­zu­füh­ren sei­en. Soll­te zudem der Zeit­auf­wand für das Her­aus­su­chen der Bereichs­num­mer (=Fili­al­num­mer) wegen der Mög­lich­keit des Ein­sat­zes elek­tro­ni­scher Hilfs­mit­tel dage­gen kei­nen beson­de­ren Zeit­auf­wand ver­ur­sacht haben, wäre der Bank in die­sem Fall ein nicht (mehr) mess­ba­rer Auf­wand für eine eige­ne intel­lek­tu­el­le Leis­tung ent­stan­den, für den sie aus die­sem Grun­de kei­ne Erstat­tung bean­spru­chen könn­te.

Der steu­er­recht­li­che Urkunds­be­griff, so die Neu­städ­ter Finanz­rich­ter wei­ter, schlie­ße auch Urkun­den in Form einer Wie­der­ga­be auf einem Bild­trä­ger oder einem ande­ren Daten­trä­ger mit ein und sei somit umfas­sen­der als etwa der zivil­recht­li­che Urkunds­be­griff.

Soweit das Kla­ge­be­geh­ren als die Gel­tend­ma­chung eines Scha­dens­er­sat­zes anzu­se­hen sei, müs­se dies vor den ordent­li­chen Gerich­ten und nicht vor dem Finanz­ge­richt gel­tend gemacht wer­den.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18. Juni 2009 – 4 K 2619/​07